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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Wer die mündlichen nnd schriftlichen Expektorationenunserer Doppelwährungsfreunde alle die Jahre verfolgte,mußte auf den Gedanken verfallen, daß es ein wahres Glückfür ein Volk sei, eine schlechte Währung zu haben, womög-lich Papiergeld.

Ohne Unterlaß erschollen die Klagen über den Schaden,den das unglückliche Deutschland zu tragen habe, weil dieLänder, aus denen es seine Nahrungsmittel zuin Teil be-ziehe, schlechteres Geld Hütten, unterwertiges Silber wieOstindien, oder Papier wie Rußland nnd Österreich. Wenndas für Deutschland ein Unglück war, so mußte es dochmit notwendiger Logik für jene anderen Länder ein Glücksein, und die Nutzanwendung wurde auch sofort in demSchluß gezogen, daß Deutschland sich ebenfalls schlechtesGeld anschaffen müsse, wohlfeiles Silber; von Papier wagteman, weil man sich den Schein der hohen Ehrbarkeit undfrommen Sittlichkeit erhalten muß, nicht zu reden, aber die-selbe Logik führt unfehlbar zur Anpreisung herrlicher Papier-wirtschaft. Nun haben wir da ein Reich von vierzig Mil-lionen neben uns, welches seit länger als einem JahrhundertGelegenheit hatte, mit diesem Glück in allen LebenslagenBekanntschaft zu machen, und dies Reich schmachtet seitvielen Jahrzehnten nach dem Angenblick, wo es diesem Glückentrinnen und zn dem entgegengesetzten Zustand sich auf-schwingen kann. Keine Stimme wagt dort im Prinzipdiesem Verlangen offen zu widersprechen. Allerdings giebtes einige Interessengruppe», welche im Trüben der bis-herigen dunklen Verhältnisse wohl zu fischen verstanden undderen Fortdauer nicht ungern gesehen hätten. Aber lautzu gestehen wagt das doch keine von ihnen. Man mußgottesfürchtig und dreiste sein, um seinen einseitigen Vor-teil und dazu noch einen mißverstandenen offen antue Spitze des Staatswohls zu setzen. Zum Überfluß ist