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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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reichischen Gepräges herstammen, also ein Vertrag aufGrund der Silberwährung. Im Jahre 1867 dagegen gingman mit Frankreich und, unter dessen Auspizien, mit denStaaten des lateinischen Münzbundes ein Bündnis ein,welches auf dem Gedanken der Goldwährung beruhte undzunächst in Ausprägung von Goldmünzen zur Ausführungkommen sollte (Achtguldenstücke gleich zwanzig Franken, auchFünfundzwanzigfrankstücke). Aber die Silber- wie die Gold-währung verlief nach schwachen Anfängen wieder in denSand der Papierwirtschaft.

Inzwischen haben fünfundzwanzig Jahre friedlicherEntwicklung, besonders unter der Mitwirknng eines nament-lich in Ungarn erstarkten, konstitutionellen Staatslebens, denKredit der Monarchie nach und nach beträchtlich gehobenund allseitig den Gedanken aufgedrängt, daß der Momentfür den Eintritt in die Reihe der mit ehrlichem Gelde ver-sehenen Staaten gekommen sei. Wenn das Unglück nichtwieder unerwartet Friedensstörungen improvisiert, muß mauden Zeitpunkt für durchaus geeignet und günstig erklären.Haben auch die volksvertretenden Körperschaften in Öster-reich diesseits und jenseits der Leitha noch nicht ihr letztesWort gesprochen, so bürgt doch die Haltung der gesamtenöffentlichen Meinung der Länder und der feste Wille derbeiderseitigen Regierungen für eine feste Entschlnßnahme,der auch das Urteil des Auslandes in hohem Grade zu-stimmend entgegenkommt.

Der gesamte Vorgang, schon so sehr wichtig und inter-essant vom allgemein kulturgeschichtlichen Standpunkt aus,hat noch seine besondere Bedeutung für uns Deutsche, nichtnur wegen unserer engen politischen und wirtschaftlichenBeziehungen zum Nachbarstaat, sondern wegen des Lichtes,das er auf unsere eigenen Erlebnisse und Zustünde ver-wandter Natnr wirft.

Ludwig Bambergcrs Ges. Schriften. V. 25