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eine falsche Goldwährung darstellen würden. Selbstvertrauenund ganze Arbeit sind die Grundbedingungen jeder Rettungs-maßregel dieser Art.
Endlich, und als Schluß der Fragen, die freilich nichtauf dem ministerielleu Bogen figurieren, bleibt die zu be-antworten, ob Osterreich das nötige Gold auftreiben könue,und ohne die Geldzustände der Welt in Unordnung zu bringen.Darüber haben sich, allem Anscheine nach, die beiden Finanz-minister vollkommen beruhigt, und sie haben damit ohneZweifel sehr recht gethan. Die fürs erste notwendigen An-schaffungen von zwei- bis dreihundert Millionen Gulden inGold, auf einen mäßigen Zeitraum verteilt, erheben keinenzu heftigen Anspruch an den Weltmarkt.
Jahr um Jahr ist die Produktion des Goldes wiederim Wachsen. Man kann die eines einzigen Jahres aufden Betrag rechnen, welchen Österreich nach obiger An-nahme im ganzen fürs erste braucht, und die Zunahmeder Vorräte, die sich in den europäischen Banken seit einigerZeit anhäufen — sie gehen in die Hunderte von MillionenMark — zeigt deutlich, daß das berühmte Wort Bismarcksvon der kurzen Decke zwar als Bild recht treffend undfreilich auch naheliegend war, aber doch nur ein richtigesBild für eine unrichtige Behauptung. Von der That Bis-marcks, der Einstellung der Silberverküufe, welche als einSchiffbruch der deutschen Münzreform ausgegeben wurde,und von seinem falsch angewandten Bilde haben die Gegnerder Goldwährung seit Jahren gezehrt. Was jetzt nach reif-licher Erwägung in Österreich-Ungarn beschlossen wird,liefert den Beweis, daß diese Argumente außer Kurs gesetzt
sind.*) Die Regierung Österreich -Ungarns hat allen An-« -
*) Eine sehr schlagende und gut belegte Auseinandersetzung hierüberliefert die neueste Schrift von Ottomar Haupt: „Gold, Silberund die Valuten-Herstellung". Wien 18S2.