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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Telegrammen wurden im Verlauf weniger Stunden mitnah und fern gewechselt.

Eine solche dramatische Scenerie gehört aber zu deugroßen Seltenheiten in der Versammlung, welche jenseitsdes Ozeans die Geschicke von sechzig Millionen Menschenlenkt.

In Paris sind die Sitzungen der Deputiertenkammerim Palais Bourbon an großen Tagen, wenn z. B. einMinisterium gestürzt werden soll, der Anziehungspunkt fürdie elegante Gesellschaft; in noch höherem Maße thun diesbekanntlich die Sitzungen der Akademie, wenn ein berühmterMaun seine Antrittsrede hält. Es hat immerhin auch seiuGutes, daß die Politik, die Litteratur und die Wissenschaftdazu dienen, die neuesten Hüte und Kleiderschnitte,sichund seinen Putz" zum Besten zu geben, uud daß man desAbends sich bei der Konversation mit seiner Kenntnis aufder Höhe des Tages zu zeigen wünscht, nachdem man desMittags auf der Tribüne ohne Gage mitgespielt hat. Be-hauptet doch der Moralist, daß selbst die Scheinheiligkeitein Tribut des Lasters an die Tugend sei. Auch in Berlin geschah es zuweilen, daß etliche Standespersonen beiderleiGeschlechts in den Logen des Reichstags zu sehen waren,wenn Bismarck eine große Rede augekündigt hatte; undein- oder zweimal hat sogar sein Nachfolger diesen Triumpherlebt, nachdem er seinem Versprechen, langweilige Politikzu machen, vom unwiderstehlichen Zcdlitz verführt, untrengeworden war. Freilich, in den Salons, soweit es etwasdieser Art hier giebt, wird man sich äußerst selten über Po-litik unterhalten oder gar aufgeregt haben.

Wenn die Teilnahme des Publikums in dem Kongressezu Washington eine Seltenheit ist, so rührt das von mancher-lei Ursachen äußerer und innerer Natur her. Unter dieäußeren gehört die erwähnte große Ausdehnung der Räum-