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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
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der Anlaß, nämlich daß auf der Tagesordnung die Wäh-rnngsfcage stand, der unsterbliche Kampf der Neuzeit zwischenSilber und Gold! Wenn Heuer im Deutschen Reichstageine Währungsdebatte im Anzüge ist, so fragen die Ab-geordneten halb ironisch, halb ängstlich bei den Eingeweihtenan, ob es wirklich Ernst damit werden solle. BejahendenFalls zucken die meisten dann mit den Achseln, meinend,sie könnten sich das wohl schenken, und die Journalistenauf den Tribünen machen sich und ihren Zeitungen einenguten Tag, indem sie, ohne viel aufzupassen, in ihrenParlamentsbericht zwei Zeilen einfügen, des Inhalts, daßdie bekannten Redner für und gegen wieder einmal ihre be-kannten Argumente unter Unaufmerksamkeit des Hauses aus-getauscht hätten. Das Alles erklärt sich hauptsächlich da-raus, daß solche Debatten immer mehr den, wie man sichausdrückt, akademischen Charakter angenommen haben, wobeinoch ganz besonders akademisierend der Umstand mitwirkt,daß die meisten Zuhörer, auch die auf der Journalisten-tribüne und vielleicht sogar einige der beteiligten Rednersehr wenig von der Sache selbst verstehen. Das Aller-akademischste aber liegt darin, daß die Wirklichkeit derDinge neuerdings von solchen Verhandlungen bei uus ganzunberührt bleibt. An ^dem Status yuo ihrer Zustände zurütteln denken zur Zeit weder England mit seiner Gold-währung, noch Frankreich und die lateinische Union mitihrer hinkenden Währung. Deutschland vollends betrachtetseine Aufgabe in der Hauptsache als gelöst. Die NöteItaliens, Spaniens und Portugals gehören in das Gebietder Staatsüberschuldung und nicht des Geldmangels. DieZeit der großen Pariser internationalen Münzkonfereuzen,

und Berlin , die Pariser Kommune von 1871, der Tod Kaiser Wilhelms,die Entlassung Bismarcks und eben noch das unerwartet schnelle Ende desVolksschulgesetzes.