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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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sich an die herrschende Gestalt des Fürsten Bismarck an-lehnt. Seitdem er von der Bühne abgetreten ist, bliebfür ihre Aufmerksamkeit die hervorstechendste Erscheinungder junge Kaiser und die Partei der Sozialdemokraten.Vor einigen Wochen gaben diese beiden Elemente der deut-schen Politik den Anstoß zu einigen sensationellen Nach-richten und daher zu der Frage über die Größe ihrer Be-deutung. Wie nach den oben geschilderten Verhältnissenzu erwarten war, machte sich im Ausland die öffentlicheMeinung ein falsches Bild von ihnen. Die Aufläufe inden Straßen von Berlin wurden fälschlicherweise für Aus-brüche sozialdemokratischer Verschwörungen gehalten, undeben deshalb war man bereit, zwischen diesen Vorgängenund der letzten Rede des Kaisers einen Zusammenhang zufinden; und aus dieser ganzen Gedankenverbindung bliebin England der Eindruck zurück, daß Deutschland am Vor-abend einer sozialistischen Erhebung stehe, und daß derKaiser damit umgehe, sie durch einen monarchischen Staats-streich zu unterdrücken. Wer die so gefärbten sensationellenBerichte liest, verfällt leicht in solche falsche Auffassungeuund läßt sich dazu verleiten, an einen kritischen Zustaudder Dinge zu glauben, der thatsächlich durchaus nicht vor-handen ist. Vor Allem möge man sich klar machen, daßnicht nur die eigentliche Partei der Sozialdemokraten mitjenen Straßenaufläufen nichts zu thun hatte, sondern daßdieselben ihr sehr ungelegen kamen; ferner und dies istein wichtiger Punkt hat diese Partei in den letztenJahren und namentlich seit der Beseitigung der sogenanntenAusnahmegesetze sich mehr und mehr von revolutionärenBestrebungen abgewendet, und die zunehmende Zahl ihrerparlamentarischen Abgeordneten hat dazu wesentlich beige-tragen. Sie hat dadurch an Beachtung und Einfluß großenGewinn gemacht, und ihre politischen Führer thun sich da-