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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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würfe vorzuführen, deren gesetzliche Durchführung zu großeSchwierigkeiten hat. Wir würden dem jungen MonarchenUnrecht thun mit der Annahme, daß das Hochgefühl seinereigenen Macht und Verstandesschärfe, wie es aus seinenReden entnommen werden könnte, auch auf Neigung zugewaltsamen Thaten hinweise. Die, welche ihn Persönlichnäher kennen, sagen, daß in seinem Privatleben und imVerkehr mit seiner Umgebung er ein jovialer, liebens-würdiger, einfacher und natürlicher Mensch ist, keine Spureiner düsteren oder despotischen Natur; nur wenn er inoffizieller Form vor feinem Volke erscheint, nimmt seineäußere Haltung den Ausdruck von majestätischer und selbst-bewußter Feierlichkeit an, welche die Maler in seinen Bild-nissen wiedergegeben haben. Was beim Lesen seiner auf-fülligen Reden so viel Unbehagen in der Welt verbreitete,war die Furcht, es möchte ein übereiltes Wort oder eineübereilte Handlung einen europäischen Krieg heraufbe-schwören. Alle die, welche sich im Stande fühlen, sicheine Meinung über seinen Charakter zu bilden, kommen bisjetzt darin überein, daß Wilhelm II. mit all seinem Sinnfür kriegerische Macht und kriegerischen Pomp doch tiefdurchdrungen ist von der Überzeugung, daß es seine un-ermeßlich heilige Pflicht ist, den Frieden zu bewahren.Wenn es sich so verhält, so können wir ruhig das Übrigeder künftigen Entwickelung der Dinge überlassen.

Druck von Roscnbaum k Hart. Berlin V., Wilhclmstraße 47.