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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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der Zeit, insbesondere der vorherrschende militärische Zug,welcher an der Entfaltung kriegerischer Schauspiele seinGenüge findet, legten ihm die Versuchung nahe, seinen hohenBeruf aufs effektvollste in Scene zu setzen. Mit der Un-geduld der Jugend sehnte er sich danach, etwas Großes zuStande zu bringen, und richtete seine Aufmerksamkeit zu-nächst mehr aus ein gewaltiges Beginnen als auf einlangsames Durchführen. So setzte er sich zunächst in Be-wegung, um in seinen Reisen nach den fremden Höfen dieSympathie der anderen Dynastien uud Nationen imSturmschritt zu erobern und ihnen die Größe seiner Machtvor Augen zu führen. In demselben Geiste berief er dieinternationale Konferenz zur Lösung der sozialen Frageund nahm die Reform des öffentlichen Unterrichts inAngriff, von dem Gedanken ausgehend, daß es vor allemgelte, die Aufgaben des Lebens mit der lebhaftesten Energiezu ersassen. Ein inneres thätiges Bedürfnis nnd eineLust an Erregung und Bewegung, der Glaube, daß derWille alles vermöge, und der Wunsch, der Welt deutlichzu zeigen, daß seine Anschauung die richtige sei, bestimmteihn zu einer Reihe demonstrativer Unternehmungen. Selbstdas Zusammentreffen mit einem dramatischen populärenDichter, wie Ernst von Wildenbruch , der ganz besondersfür die Glorifikation solcher Ideen angelegt ist,war vielleicht nicht ohne Einfluß auf den Gang seinerGedanken. Die Schauspiele, welche die Geschichte derHoheuzolleru in gebundener Sprache und malerischenScenen auf die Bühne brachten, gehören als ein Kommentarzum Totalbild dieser Epoche.

In diesem Znsammenhange müssen wir auch dasKapitel der Kaiserlichen Reden lesen, wenn wir es richtigverstehen wollen; sie stehen unter dem Zeichen desselbenDranges, die Ereignisse zu gestalten und der Welt Ent-