- 437 —
ihn den tiefsten Eindruck gemacht hat, ist offenbar derKultus für das Haus Hohenzollern , den so viele Geschichts-schreiber und nach ihrem Vorgange viele Millionen Deutsche zu eiuer mystischen Religion erhoben haben, die die Dynastieder Hohenzollern in einer bisher in der Geschichte un-bekannten Hingebung verehrt. Weder von den Antoninen,noch von den Medicis, noch von den Bourbonen, noch vonden Habsburgern wurde jemals in so dithyrambischenPerioden behauptet, daß jeder Regent aus ihrem Hauseeinfach durch die Thatsache seiner Geburt eiu Muster über-menschlicher Vollkommenheit seiu müsse. Das Gefühl fürseine Macht, welche in Deutschland und besonders inPreußeu seit dem Kriege von 1870 so hoch aufgeschossenist, hat sich in dem regierenden Hause und in dem Trägerder Krone personifiziert.
Ziehen wir dazu iu Betracht die wichtige Rolle, welchedem staatlichen Eingreifen durch die jüngste Gesetzgebungzugeteilt ist, und den ungeheuren Erfolg, den Bismarckerzielte, und den die Welt nicht einmal so sehr seinergeistigen Überlegeuheit als der Energie seines Willens zu-schrieb — eine Auffasfung, die sich in der Bezeichnung des„Eisernen Kanzlers" verewigte — fassen wir diese dreiGesichtspunkte zugleich ins Auge: Hohenzollern , Bismarckund Willenskraft, in ihrem weitesten Sinne genommen,und vergegenwärtigen wir uns einen jungen Mann, der indieser Atmosphäre aufgewachsen ist nnd in sich den Beruffühlt, diese drei Attribute in seiner Person zusammenzu-fassen, so können wir uns ungefähr vorstellen, mit welchenErwartungen vou sich selbst und mit welchen Ansprüchenan die Welt der junge Souverän den Thron bestieg. Erfühlte einen unwiderstehlichen Drang, ein großer Monarchund der in sich selbst ruhende Schöpfer einer großen Epochezu werden. Seine innere Anlage ebenso wie die Sitten