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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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ein gewaltiger; man war schon über manche frühere Redeerstaunt gewesen, aber keine hatte einen so ungünstigenEindruck hervorgebracht. Es ist nicht zu viel gesagt, daßsie nirgends Wohlgefallen erregte und vielen von deneinflußreichsten Anhängern der Regierung sehr ungelegenkam. Das Ausland interessierte sich lebhaft an der ganzenBewegung; von allen Seiten bis zu diesem Augenblickstürmt die Frage heran: was sollen wir von allem denken,insbesondere, welche Schlüsse sollen wir daraus auf dieZukunft ziehen? Es ist sehr schwer, hierauf eine AntwortZu geben. Handelte es sich um irgend einen anderenMann, so könnte man doch sagen: Worte sind nichtThaten; aber in dem Fall des Souveräns eines mächtigenStaates, der bis jetzt wenig Neigung gezeigt hat, fremdenEingebungen zu folgen, mögen Worte mehr bedeuten alsflüchtige Gedanken, die der Eingebnng des Moments ent-springen.

Die nächste Frage, die sich nach dieser einstellt, ist:möchte nicht dieser junge Kaiser eines Morgens die Weltin ebenso unliebsamer Weise, wie er es mit Reden gethanhat, mit Thaten überraschen, und ist nicht zu erwarten,daß in diesem Falle die Thaten in derselben Richtunggehen würden wie die Reden, d. h. in der Richtung einerhöchst autokratischen Natur? Das ist die Frage, die jetztaufgeworfen wird und nicht sehr beruhigend lautet, und esist wohl angebracht, das so entstandene Unbehagen zu be-seitigen, selbst auf Kosten dieser Reden und ihrer Be-deutung.

Der junge Kaiser ist ein Produkt seiner Zeit undihres Geistes. Wie es so oft geschieht, hat das Beispielseiner nächsten älteren Verwandten wenig auf ihn gewirkt;er ist weder nach seinem Großvater geartet, für den er sogroße Verehrung zeigt, noch nach seinem Vater. Was auf