daß er die Sache der arbeitenden Klassen auf einmal inseine Hand nehmen wollte, daß er persönlich in der An-gelegenheit des Streiks der westfälischen Bergleute inter-venierte, und schließlich, daß er die internationale Konferenzberief. Sie warfen ihm vor, er mache die Arbeiterschwierig und anspruchsvoll; sie waren immer begeisterteAnhänger Bismarcks gewesen und sahen seinen Abgang an-läßlich der Konferenz gleichzeitig als die Ursache und alsdie Wirkung einer falschen Steuerung an, die sie innerlichwütend machte. Die aristokratischen Konservativen warenweder für noch gegen den Kaiser eingenommen. Derpreußische Edelmann denkt vor allen Dingen zunächst ansich selbst und wartet im übrigen den Gang der Dinge ab.
Während aber die industriellen Schutzzöllner die Rück-kehr zu deu Handelsverträgen durchaus nicht mißbilligten,war der konservative Landadel außer sich über die damitverbundene Herabsetzung der Getreidezölle. Darnm hieltensie sich vollständig von der neuen Regierung fern. DieLiberalen waren weder vertrauensvoll noch entmutigt. DieErnennung Caprivis zum Reichskanzler schien ihnen rsdussie stantidus ein guter Gedanke, der der Menschenkenntnisund dem Verstände des Kaisers Ehre mache. Aber dieGesetzesvorlage wegen des Volksunterrichts verdarb wiederalles, und im Augenblick ist es schwer, zu sagen, in welcherPartei warme Anhänger der gegenwärtigen Regierungzu finden sind; genau beseheu, müßte man sagen: inkeiner. Denn obgleich die ultramontane und die orthodoxelutherische Geistlichkeit sich über die Wendung in diesenDingen freuen, so kann man daraus noch nicht den Schlußziehen, daß sie ergebene Bewunderer der Person desKaisers seien.
Das war die Lage der Dinge, als des Kaisers Redean die Brandenburger bekannt wurde. Der Eindruck war
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