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nutzen. Seiner Bitte entsprechend wird er 1769 zum FürstlichHessen-Hanauschen Hoffaktor ernannt. Schon als Fünfund-zwanzigjähriger zeigt sich Rothschild als kluger Psychologe. Erweiß, daß der Titel den unbekannten Juden aus der Schar seinerGlaubensgenossen heraushebt, daß er nun nicht mehr der erstebeste Geldwechsler des Frankfurter Ghetto ist, er weiß auch,daß sich ihm mit dieser Würde neue Wirkungsmöglichkeiteneröffnen.
Der Herr Hoffaktor geht jetzt auf Brautschau. Am 29. August1770 heiratet er die erst siebzehnjährige Tochter Gudula desjüdischen Handelsmannes Wolf Salomon Schnapper. Das ersteKind, eine Tochter, wird dem jungen Paar 1771 geboren. Dannfolgt fast jedes Jahr die Geburt eines weiteren Kindes, 1773Amschel, 1774 Salomon, 1775 Nathan, 1781 Carl, schließlich1792 James. Im ganzen sind es fünf Söhne und fünf Töchter, diedas kleine Rothschildsche Haus bevölkern, in dem noch bis zuseinemTode 1782 auch Meyer Amschels Bruder Kalman wohnt.
Der Münzfachmann Rothschild läßt ganz nach dem Mustergroßer Häuser Kataloge drucken und versendet sie an die Lieb-haber alter Geldstücke. Mehrfach auch nach Weimar an HerzogKarl August. So ist es möglich, daß der Landsmann Goethe aufdiesem Wege Münzen von dem Frankfurter jüdischen Händlererhalten hat. Als Prinz Wilhelm 1785 Kurfürst von Hessen wird,versucht Rothschild die Beziehungen auch mit der neuen Resi-denz aufzunehmen. Er bringt sich als Münzhändler in Erinne-rung und versteht es, mit einer besonders kostbaren Kollektion,die er auffällig billig anbietet, den Fürsten für sich zu gewinnen.Denn sein Bestreben ist es, mit diesem Herrscher, dem reichstenFürsten Deutschlands, auch Geldgeschäfte abzuschließen. Wil-helm gehört zu jenen skrupellosen Landesvätern, die ihr Geld wieschon sein Vater und sein Großvater mit dem Blut ihrer Unter-tanen erworben hatten. Sie waren es, dieTausende von Soldatenausrüsteten, um sie an das nah verwandte englische Königshausals Kanonenfutter für die Kämpfe in den amerikanischen Kolonienzu verkaufen. An dem Verkauf eines einzigen Regiments hatteWilhelm 1776 3,5 Millionen Mark verdient. Mit diesem Sünden-geld füllt er seine Kassen, aber er ist nicht nur geldgierig, son-