Druckschrift 
Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

4i

gilt es also für England, den Kampf gegen den Eroberer zu orga-nisieren, abermals müssen Subsidien an Preußen, an Österreichund an Rußland gezahlt werden. Erst jetzt kommt man auchin Berlin mit den Rothschilds in persönliche Berührung. Salo-mon reist nach der preußischen Hauptstadt, um selbst dempreußischen Finanzminister von Bülow einen Vorschuß von200000 Pfund auf die englische Unterstützung auszuhändigen.Preußen erkennt diese Dienste durch die Ernennung Salomonszum Preußischen Kommerzienrat an. Der Versuch des Frank-furter Rates, die Rothschilds zum Militärdienst zu zwingen,um so ihren Einfluß lahmzulegen, wird auf Veranlassung Nathansdurch eine Intervention Herries beim österreichischen Gesandtenin London verhindert. Am 16. Juni 1815 wird Napoleon vonBlücher und Wellington bei Belle Alliance entscheidend ge-schlagen. Erst jetzt wird Nathan Rothschilds Name in weitenKreisen Englands bekannt. Denn er empfängt die Nachrichtdes entscheidenden Sieges eher als die englische Regierung. Daßer selbst der Schlacht bei Waterloo beigewohnt habe, ist Legende.Aber wie die Rothschilds von jeher den größten Wert auf dieschnelle Übermittlung von Nachrichten legten und besondereBeziehungen zur Thurn und Taxisschen Post besaßen, so hatteNathanden Kapitänen der von England nach dem Festlandeverkehrenden Schiffe Prämien für die rascheste Übermittlungvon Nachrichten versprochen . . . Einer seiner Agenten, Roth-worth mit Namen, weilte in Erwartung der Nachrichten überden Ausgang des Feldzuges in Ostende. Diesem gelang es, dieerste Zeitungsnachricht über den günstigen Ausgang der Schlacht,nämlich ein Blatt der holländischen ,Gazette', frisch von derPresse zu erhaschen und mit diesem ein eben nach London ab-gehendes Schiff zu besteigen. Er traf sehr früh am Morgen des20. Juni in der britischen Hauptstadt ein und verständigteaugenblicklich Nathan, der die ihm zugekommene Siegesnach-richt an Herries und damit an die englische Regierung weitergab.Diese nahm die Sache zunächst ungläubig auf, da sie selbst nochkeine Nachricht hatte, und der von Wellington entsandte MajorHenry Percy mit der Meldung des Feldmarschalls erst am 21.ankam. (Corti a. a. O.)