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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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den ältesten:Sie wollen wissen, wie es mit meinem Sohne,Ihrem Schüler steht ? Ich muß Ihnen sagen, daß ich mit seinemFleiße zufrieden bin. Er macht auch ziemliche Progressen. Wie-viel er in diesem oder jenem Buch gelernt hat, darauf sehe ichso genau nicht; genug, er denkt, und denkt richtig und tief . . .mein Joseph hat sein hebräisches Studium so gut als an denNagel gehängt. . . ich bin noch immer ungewiß, wozu ich ihmraten soll. Seine Talente und guten Anlagen zu den gründ-lichen Wissenschaften lassen in diesem Fach etwas Vorzüglichesvon ihm erwarten. Als Jude aber kann er bloß Arzneikundetreiben, und zu dieser hat er weder Lust noch Genie. Ihn derHandlung zu widmen, ist, wie mich dünkt, noch zu früh. Ermag also vorderhand alles lernen, wozu er Lust und Triebempfindet. Zum Kaufmann wird er dadurch wenigstens nichtverdorben. Er mache es allenfalls, wie sein Vater es hat machenmüssen: stümpere sich durch bald als Gelehrter, bald als Kauf-mann, ob er gleich Gefahr läuft, keines von beiden ganz zuwerden.

Joseph wird trotz seiner vielseitigen Bildung Kaufmann. Erstfünfundzwanzigjährig, gründet er, wahrscheinlich zuerst in derSpandauer Straße, ein Bankhaus. Berlin besitzt damals bereitseine ganze Reihe von Bankgeschäften, auch jüdische Bankhäuser,die schon längere Zeit bestanden. Neben der ältesten BankBerlins, der Firma Gebr. Schickler, die 1712 von David Splitt-gerber und Gottfried Adolf Daum gegründet wurde, bestandenvon jüdischen Häusern bereits seit 1750 die Firma L. M. Bam-berger, seit 1780 Gebr. Veit & Co. und seit 1793 N. Helfft & Co.Berlin als Geldmarkt stand an Bedeutung hinter andern Plätzenaber noch weit zurück, auch Berlins Börse als jüngste in Deutsch-land rangierte hinter den Börsen von Frankfurt und Hamburg.Die ersten Anfänge der Berliner Börse gingen auf das Jahr 1696zurück, in dem sich zuerst auf dem Mühlendamm Händler undWechsler trafen, denen 1738 Friedrich Wilhelm I. die Grotte,ein Gartenhaus im Schloßgarten, für ihre Zusammenkünfteschenkte. Das Bankhaus Mendelssohn hat zunächst weder dieMittel noch die Möglichkeit, besonders hervor?uragen. Höchstenssind es die Beziehungen, die seinem Besitzer zugute kommen.