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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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Das Unternehmen ist gerettet. Der Durchbruch des Gotthard-tunnels erfolgt am 29. Februar 1880. An der Einweihungsfeier-lichkeit der Gotthardbahn im Mai 1882 nimmt Salomonsohnteil, wird auch in den Verwaltungsrat der Bahn gewählt. Auchdem Aufsichtsrat einer Reihe anderer großer Bahnen, so demder Warschau-Wiener Eisenbahn, gehört er an.

Frühzeitig verfolgt die Disconto-Gesellschaft das Prinzip derEinrichtung von Tochterbanken in der Provinz, und zwar durchdie Begründung einer besonderen Provinzial-Disconto-Gesell-schaft im November 1871. Teilweise werden bestehende Bank-geschäfte übernommen. So wird noch 1871 die BankfirmaM. I. Frensdorff in Hannover, die aus dem alten angesehenenBankhaus Ezechiel Simon entstanden war, als Kommandite ange-gliedert. Die ziemlich große Selbständigkeit, die man der Firmaläßt, benutzt sie aber zu verfehlten Spekulationen, die sie in einegefährliche Bedrängnis bringen. 1873 übersiedelt Salomonsohnnach Hannover, übernimmt die Leitung dieses Hauses. So kanner die Firma allmählich ohne Schaden liquidieren.

Nach Begründung des Deutschen Reiches wird die Disconto-Gesellschaft eine starke Stütze der jungen Industrie. Unter der tat-kräftigen Mitwirkung Salomonsohns wird 1873 die Gelsenkirche-ner Bergwerks-A.-G. begründet, in deren Aufsichtsratereintritt.Von diesem Zeitpunkt ab verbindet EmilKirdorf, den streit-baren Herrn des Ruhrreviers, innigste Freundschaft mit AdolphSalomonsohn. Der stockkonservative Führer der rheinisch-west-fälischen Schwerindustrie und der jüdische Großbankleiter be-gegnen sich in ihrem glühenden Monarchismus, aber auch inihrer fast fanatischen Ablehnung der Politik und der Person Wil-helms II. Beide geben oft ihrer Überzeugung Ausdruck, daß derKaiser Deutschland zugrunde richten und das Volk unter diesemcharakterlosen Byzantinismus untergehen werde.Wir Jüngerenhaben, so erzählt der einzige Sohn Adolph Salomonsohns ineinem stimmungsvollen Gedenkblatt, das er dem Gedächtnisseiner Eltern widmet,wenn wir mit Vater und Kirdorf imoffenen Lokal zu Tisch saßen, uns beim Anhören der von beidenmit Vehemenz geäußerten Majestätsbeleidigungen oft ängstlichumgesehen, ob auch kein Unberufener in Hörweite säße. Schließ-