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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
119
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lieh lief dem alten Herrn über Eulenburgiade, England-Interviewund alles andere, was sich an Unbegreiflichkeiten ereignete, dieGalle derart über, daß er erklärte: ,Wilhelm II., diesen Ver-derber des Reiches, grüße ich nicht mehr', und bei seinen regel-mäßigen Spaziergängen bog er in einen Nebenweg ein, sobald erdie Majestät von weitem kommen sah.

Salomonsohn beweist diese Unerschrockenheit nicht nur imDrange patriotischen Gefühls. Bei seiner unbedingten Redlich-keit und seinem stark ausgeprägten Wahrheitssinn kann er sehr grobwerden, wenn es gilt, irgendeine Lüge oder ein Vorurteil zu be-kämpfen. So ist auch seine Stellung zum Judentum sehr einfachund klar. Er pflegt seinem Sohn, wie dieser selbst erzählt, zusagen:Das Judentum hat der Welt bereits den Monotheismusgegeben, es wird die Welt auch noch die Toleranz lehren. Diesich daraus für jeden kultivierten Juden ergebende Belastungseines Lebens ist eine gute Schule für das Vorwärtskommen.Oft genug hat er Gelegenheit gehabt, aber auch geradezu ge-sucht, um auch auf gesellschaftlichem Boden sich zu seinemJudentum zu bekennen und die Überheblichkeit des Antisemi-tismus in manchmal drastischer Weise zu bekämpfen.

Als sich Adolph Salomonsohn 1888 aus seiner Tätigkeit zurück-zieht dem Aufsichtsrat der Disconto-Gesellschaft gehört erbis zu seinem Tode an, beschäftigt er sich wieder mit philo-sophischen Fragen. Wie in seiner Jugend studiert er Kant undist von dem Wunsche beseelt, die Werke des Königsberger Philo-sophen in eine allgemein verständliche Sprache zu übertragen.Daneben aber liest er am liebsten Werke der Kriegswissenschaft,kennt die Veröffentlichungen des Generalstabs besser als mancherOffizier, treibt Geographie und besitzt auch neben seiner hohenjuristischen eine ausgeprägt naturwissenschaftliche Begabung.Noch im hohen Alter widmet er auch viel Zeit den physikalischenund chemischen Lehrbüchern und vertieft sich u. a. in EinsteinsRelativitätstheorie. Diese Liebe zu den Naturwissenschaftenführt ihn unter die Gründer der Berliner Urania. Bei dieseran die großen Talmudisten erinnernden Vielseitigkeit verfolgter Deutschlands politische und wirtschaftliche Entwicklung mitlebhaftem Interesse. Der Weltkrieg erschüttert ihn aufs