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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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In Berlin wird Emil Rathenau am n. Dezember 1838 geboren.Als ich die Lebensreise antrat, erzählt er in einer Rede, dieer am Vorabend seines siebzigsten Geburtstags hält,gab es inunserer Vaterstadt ein interessantes Erlebnis: die Vollendung derersten preußischen Eisenbahn. Die Berliner sollen in hellenHaufen begeistert zum Potsdamer Tor hinausgepilgert sein, umden Zug nach Steglitz abfahren zu sehen. Viel zu langsam (nachheutigen Begriffen) bewegte er sich vorwärts, ohne Schlaf- undohne Speisewagen; und doch war die Eisenbahn ein gewaltigerFortschritt gegen die Postkutsche, in der mein Vater aus derUckermark als Jüngling, meine Mutter als Kind mit ihren Elternaus der Mark hierher übersiedelten.

Die Eltern Rathenaus entstammten beide rein märkischenFamilien. Beide waren auch aus wohlhabendem Hause. MaterielleNot hat Emil Rathenau nicht kennengelernt. Seinem Vater mußes recht gut gegangen sein, denn er setzte sich frühzeitig zurRuhe.Mein Vater, schreibt Rathenau in seiner Selbstbio-graphie, die sich in eigenhändiger Niederschrift in seinem Nach-laß vorfand, und die sein Biograph A. Riedler in seinem BucheEmil Rathenau und das Werden der Großwirtschaft (Berlin1916) zum erstenmal veröffentlicht,hat sich bald nach meinerGeburt vom Geschäft zurückgezogen. Er war streng und ge-wissenhaft und führte eine korrekte Ehe mit der klugen und geist-reichen Mutter, die Ehrgeiz besaß und Eleganz in ihrer Erschei-nung bis in ihr spätes Lebensalter zu bewahren die Schwächehatte. Rathenaus Mutter war lebenslustiger als der Vater, sienahm gern an allen kulturellen Ereignissen Berlins teil. In seinemTagebuch notiert Wilhelm Herz am Ostersonnabend, dem22. März 1845:Abends zum Concert von Josef Gunz imMilentzschen Saale, wo ich mich ziemlich gut amüsiert habe.Mad. Rathenau von da nach Haus gebracht. Die FamilieRathenau gehörte damals schon zu den jüdischen PatriziernBerlins, besonders die Familie der Mutter Emils, die Lieber-manns.

Emil Rathenau besucht mit seinen beiden Brüdern er wardem Alter nach der zweite die Marggrafsche Knabenschuleund dann das Gymnasium zum Grauen Kloster. Großen Ein-

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