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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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druck machen auf ihn die Ereignisse des Jahres 1848, über dieer ausführlich in seiner Selbstbiographie berichtet. Aus derUnterprima tritt er als Lehrling bei seinem Großvater Lieber-mann ein. Er wird dort ein Techniker von der Pike auf. SombartsBehauptung, der Jude sei vom Geschäftsreisenden oder Kommiszum Industriellen geworden, wird durch den Lebensgang EmilRathenaus widerlegt. Denn er arbeitet in der Fabrik seinesGroßvaters, wie er selbst schreibt,als Proletarier in blauerBluse und mit zerschundenen Händen. Dieser Liebermann, derauch der Großvater des Malers Max und des Chemikers CarlLiebermann ist, gehört zu den jüdischen Industriellen Schlesiens,die dazu beigetragen haben, diese preußische Provinz zu indu-strialisieren. Dem König Friedrich Wilhelm IV. stellt er sichmit den Worten vor:Ich bin der Liebermann, der die Eng-länder vom Kontinent verjagt hat. Denn er hatte als erster inPreußen die mechanische Bedruckung von Kattunstoffen ein-geführt. Das Liebermannsche Werk war die Wilhelmshütte beiSprottau. Es besaß einen Hochofen, und die dazugehörige Ma-schinenfabrik baute landwirtschaftliche Maschinen, Apparatefür Gasanstalten und die verschiedensten Eisengeräte. Rathenauhat hier schwer arbeiten müssen. Erst nach viereinhalbjährigerTätigkeit verläßt er das großelterliche Werk.Mein Austritt,so berichtet er,war durch die Mobilmachung der preußischenArmee aus Anlaß des italienischen Krieges herbeigeführt worden.Ich sollte bei dem zweiten Garderegiment eintreten, als derFriede von Villafranca geschlossen wurde.

Emil Rathenau bezieht jetzt 1859 das Polytechnikum in Han-nover, geht dann nach Zürich auf die Technische Hochschuleund wird hier ein Schüler von Reuleaux. Mit dem bestenDiplomexamen, ausgerüstet mit glänzenden theoretischen undpraktischen Vorkenntnissen, kehrt er nach Berlin zurück. Ertritt hier bei der Lokomotivfabrik von A. Borsig als Ingenieurein und wird zunächst mit der Konstruktion von Gitterbrückenbeschäftigt, entwirft später auch Lokomotiven. Er findet schnelldas Wohlgefallen seines Chefs, der ihm bereits zu Weihnachtensein Eintritt war am 1. Oktober erfolgt ein Geschenk in Höhedes Monatsgehaltes von 25 Talern unter schmeichelhaften Aner-