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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
216
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Ramschprinzip ist ein vom deutschen Warenhaus längst verlas-sener Grundsatz. Der Kunde ist der König. Seine Wünschebleiben allein maßgebend. Tietz führt Ausstellungen und Vor-führungen der verschiedensten Art ein. Wie in den Warenhäusernanderer Firmen, werden auch bei der Firma Tietz die Schau-fenster nach künstlerischen Prinzipien dekoriert. Als Einkäuferriesiger Mengen der gleichen Ware kann das Warenhaus auchdie Warenerzeugung beeinflussen. Schließlich wird auch derSchritt zur Eigenfabrikation unternommen. Im Laufe derJahre entstehen eine Reihe von Fabrikationsbetrieben, danebeneigene Handels- und Verwaltungsunternehmen, die in zweiund-zwanzig verschiedenen Gesellschaften zusammengefaßt werden.Ihre Anteile befinden sich restlos in den Händen der engerenFamilie.

Als Großvater Jacob die Augen schloß, berichtet GeorgTietz,ließ er sich von seinen Kindern versprechen, daß sieGlauben und Gesetze der Väter hielten. Dem Wunsch seinesVaters folgend ist Oskar Tietz stets ein treuer Jude geblieben.Wie er die Feier des Freitagabend zu schätzen weiß, so hater die Feiertage geheiligt und stets an ihnen alle seine Kaufhäusergeschlossen. Mit aller Kraft setzt er sich für seine Glaubens-genossen ein. Als Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeindehat er jahrelang die Verwaltung des größten jüdischen Gemein-wesens in Deutschland aufs stärkste beeinflußt. Nicht nach außenaber nach innen ist er der Führer der jüdisch-liberalen Be-wegung in Deutschland. Er betont neben dem Judentum stetssein Deutschtum, was ihmheftige Kämpfe sowohl mit denZionisten wie mit den Konservativen eintrug.

Als Oskar Tietz am 17. Januar 1923 unerwartet und mittenaus der Arbeit heraus stirbt, folgen ihm die Söhne Georg undMartin und der Schwiegersohn Dr. Hugo Zwillenberg in derLeitung des Unternehmens. Unter ihrer Führung wird dasWerk, das Hermann und Oskar Tietz geschaffen haben, im Sinneder Begründer ausgebaut. Im Jahre 1926 wird der Konzern desHauses Tietz durch die Angliederung der zweiundzwanzig Waren-häuser der Firma M. Conitzer & Söhne erweitert. Im gleichenJahre erfolgt die Angliederung der Jandorfschen Warenhäuser