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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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des Mittelstandes. Sie trifft den jüdischen Mittelstand be-sonders hart. Denn seine Angehörigen, auf bewegliche Kapitalienbesonders angewiesen, ohne den Rückhalt des Landbesitzes, wer-den der Existenzmittel beraubt, die sie zur Fortführung ihrerBetriebe gebrauchen. Diese Entwicklung hat die Deflation nochfortgesetzt. Jetzt wird die Hilfe des Staates herbeigerufen. Vielschärfer als früher tritt die öffentliche Hand als Unternehmer indie Erscheinung. Ein kapitalistischer Sozialismus entsteht. AuchJuden rufen ihn als Schöpfer großer Reichsbetriebe mit ins Leben.

Der Kapitalmangel, der sich in der ganzen Wirtschaft geltendmacht, befördert den Umstellungsprozeß. Die Periode der Ra-tionalisierung führt zur Begründung von Riesenorganisationen.Neue Zusammenschlüsse, Kartelle und Konzerne, bilden sich.In denjenigen Wirtschaftszweigen, in denen der jüdische Ein-fluß besonders stark ist, greift die Konzernierung weniger Platzals dort, wo Juden kaum in der Verwaltung der Unternehmungenzu finden sind. So stehen dem stark konzentrierten Bergbauoder der Farbenindustrie die weniger gebundene Textil- oderBekleidungsindustrie oder der Grundstückshandel gegenüber.Aber auch der jüdische Unternehmer ist kein Feind der Kartelle.Deutlich zeigen die Warenhäuser, in denen Juden noch heuteeine große Rolle spielen, wie stark auch auf dem Gebiete desHandels die Zusammenschlußbewegung geworden ist.

Die Entpersönlichung der Wirtschaft durch die zunehmendeGründung von Gesellschaften eingeleitet, wird durch die starkeKonzentrierung der wirtschaftlichen Macht in wenigen Händenvollendet: der Einfluß des Privatunternehmers schwindet. Vondiesem Geschick wird besonders der jüdische Unternehmerbetroffen. Die Tendenz auf Ausschaltung des Handels setztsich mit der Konzernbildung fort. Sie trifft vor allem denGroßhandel. So vollzieht sich eine Verdrängung derJuden auf den verschiedensten Gebieten. Alfred Marcusmacht in einer Studie überDie Juden im deutschen Metall-handel (in der ZeitschriftJüdische Wohlfahrtspflege undSozialpolitik, Heft 5 und 6, 1930) darauf aufmerksam, daßsich die Gesamtzahl der Metallhandelsfirmen in Deutschlandvon 1913 bis 1930 um 6,5 % vergrößert, die Anzahl der jüdischen