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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
Entstehung
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Allgemeine Bemerkungen

gen hätten, würden uns in das Gebiet der Mechanik, der Physik,der Chemie, der Physiologie und anderer Wissenschaften führen,deren Wahrheiten wir hier, in soweit sie natürlich schon erforschtsind und uns als Hülfsätze dienen können, als ein Gegebenesvoraussetzen und nur in ihren Resultaten benutzen, ohne auf ihreGesammterforschung selbst ansgehn zu wollen.

Da jene Gestaltungen nur in derjenigen Form, die von derMaterie erfüllt wird, erscheinen, aber keine Materie ohne Kräftebestehen kann: so können auch Luft, Meer und Land nicht ohneThätigkeit für und wider einander, nicht ohne Wechselwirkung be-stehen. Diesen Wechselwirkungen liegt das Spiel der hemmendenund bildenden Kräfte der Natur zum Grunde, und sie erscheinen inden mannichfaltigsteu Veränderungen und Umwandlungen in kür-zern, periodisch wiederkehrenden Kreisläufen, oder in immer wei-ter und weiter sich ausdehnenden Wirkungskreisen, zwischen denengewisse Momente des Gleichgewichts vertheilt zu liegen scheinen.

Nicht die Geschichte dieser Veränderungen und Umwandlun-gen, die Ausgabe einer Physik und Archäologie der Erde, nochdie Erforschung ihrer Gesetze ist es, welche wir hier zu verfolgenhaben, sondern unser Hauptaugenmerk ist auf die äußern Erschei-nungen, auf ihre Resultate in den Momenten des Gleichgewichts,oder doch auf die Ausgleichung und Annäherung zu demselbengerichtet; denn wir suchen das gegenwärtige Verhältniß der Ge-staltungen auf der Erdoberfläche auf, und in den Veränderungendas gegenwärtig gesetzmäßig Bestehende.

Freilich wird es bei dem unvollkommenen und immer imFortschreiten begriffenen Zustande dieser Wissenschaft nicht andersmöglich sein, als oft das Vergangene zum Verständniß des Ge-genwärtigen zu Hülfe zu rufen, und selbst dem Genetischen eineuntergeordnete Stelle zu erlauben. In dieser Hinsicht schließenwir aber denjenigen ganzen Zeitraum, in welchem die Völkerge-schichte zu uns spricht, in den Moment der Gegenwart mit ein,im Gegensatz derjenigen Zeit der Erdbildung und Umwandlungihrer Oberfläche, welche jenem vorhergeht, weil historisch nur vonWirkungsweisen der Naturkräfte die Rede sein kann, welche dem