Die Erde ein kosmisches Individuum.
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oder Thieren; aber eben so wenig zu den anorganischen Körpernder unbelebten Natur; nicht zu den Erden, Steinen, nicht zu denKrystallisationen, oder den vollendetsten Formen der Mineral-körper. Dies sind nur isolirte Theile des Ganzen, nnr abgelösteTheile, die in keinem Zusammenhange mit ihren übrigen Theilenstehen. Die Erde aber, in ihrer Spannung als für sich be-schlossener Ball oder Ring, besteht als ein Ganzes, Planetari-sches fort.
Die Erde ist daher ein kosmisches Individuum mit eigen-thümlicher Organisation, ein Kus sui A-eneris mit fortschreitenderEntwickelung. Sie ist ein systematisches Ganzes mit eigenthüm-licher Bewegung, mit kosmischem Leben. Der Krystall, die Pflanzeund das Thier, der Planet, der Mensch sind in aufsteigenderLinie verschiedene Ovganismen des irdischen Daseins der Dinge.Der Erde ist also in dieser Reihe der Organismen eine bestimmteIndividualität als Erdplanet zu Theil geworden. Diese Indi-vidualität der Erde zu erforschen und darzustellen ist die höchsteAufgabe der geographischen Wissenschaft. Kann sie diese Indivi-dualität nach allen .ihren Theilen, Gliederungen und Functionenzur klareu Anschauung bringen, so wird die Erdkunde zu einerselbständigen Erdwisscnschaft. Ihr ist die Erde ein Planet, derwie ein Samenkorn mit allen inneren Keimen der Entwickelungund Entfaltung ausgerüstet, von dem Säemann in das Feld derSonnenbahn geworfen ist, da aufzugehen, zu wachsen, zu blühen,und zu rechter Zeit seine Ernte, seine Frucht zu tragen.
Früher wurde die Erdkunde nur als Hülfswissenschaft fürGeschichte, Politik, Kriegswissenschaft, Naturgeschichte, Gewerbe,Handel u. s. w. angesehen uud behandelt. In der That greiftsie in alle diese Zweige der Erkenntniß und des Betriebes ein.Erst in neuester Zeit konnte sie aber zu einer selbständigenDisciplin werden. Erst durch die gleichmäßige Erweiterung des
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