Druckschrift 
Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Pyramidale Siidgliederuug.

57

graden gezogen. Aber solche geradlinige Begrenzungen lassen sichhier in Beziehung auf Weltstellung nicht ziehen. Nicht einmaleine Symmetrie läßt sich nachweisen, die noch zu den Kennzeichender Krystalle und der organisirten Körper der Naturreiche gehört.Im planetarischen Leben waltet überall ein viel freieres Spiel,ein mannigfacheres Ineinander- und Uebergreifeu der Kräfte undFormen; eine höhere Anordnung, die erst später, uud auch danunur erst in elementarsten Umrissen begriffen werden konnte. Wirbleiben bei dieseu elementaren Andeutungen stehen.

Als ein deutliches Gesetz der Anordnung des Landes auf derErdoberfläche erkennen wir

Die pyramidale Südgliederung aller Ländermassengegen den Ocean.

Das Uebergewicht der trockenen Landmasse ist vorherrschendgegen den Nordpol angehäuft. Südwärts vou 55° südlicherBreite kannte man lange kein Festland mehr, und was man inden letzten Jahrzehnten dort vorgefunden und Südpolarland ge-nannt hat, sind Inseln und scheinbar langgestreckte Eisküsten,deren Contiuentalbestand noch sehr problematisch ist. Den Nord-pol umlagern dagegen die beiden großen Landvesten der Altenund neuen Welt in gewaltigen Breitenansdehnungen bis gegenden achtzigsten Grad. Dort nähern sich ihre auslaufeuden Glieder,wie in der Behringsstraße, bis auf wenige Meilen. Und selbstdie Entfernung Nordwesteuropas bis Island und Grönland istnur gering gegeu die Südenden der Continente, die eben so vieleTausende von Meilen auseinander stehen, wie jene nur Hunderte.Wenn gegen Norden Expansion, so herrscht gegen den SüdenContraction der Länder vor. Die Körper der großen Erdtheileverlaufen sich da in keilförmig ansgehende Länder, Halbinseln,bloße Spitzen, Caps und Inseln. Das haben schon Baco vonVernlam, I. R. Forster, Steffens nachgewiesen: Amerika im