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Architectonik der Landmassen.
hier einen organischen Zusammenhang, ein Ziel des Fortschrittesder Entwickelung zu einem großen System? Und ist es dannnicht die Aufgabe der Wissenschaft, sich dieser Idee des Systemesbemächtigen zu lernen, durch solche Forschung erst innern Zu-sammenhang und Einheit zu gewinnen?
Bei dem Sonnensysteme hatte man von Anfang an dieGrößen, die Entfernungen, die Abstände und Annäherungen dereinzelnen Planeten ins Auge gefaßt, auch die Verhältnisse ihrergegenseitigen Stellungen auf das genaueste untersucht. Bei demErdsysteme hatte man dies übersehen, weil die Räume der Land-masseu nicht wandelbar waren. Um desto bedeutender ist dergegenseitige Einfluß durch ihre Fixiruug geworden. Ist auch hierkein mechanisches Gravitationsgesetz zu verfolgen, so tritt in demphysischen und organischen Leben dieser Erdräume ein eben sogewaltig gegenseitig gravitirendes, dynamisches Gesetz anziehenderund abstoßender Kraftäußeruugen hervor, das nicht durch dieMathematik, sondern durch das Licht der Historie aus seineinDunkel hervortreten konnte. Es lenchtet von selbst ein, daß einsolches Verhältniß der Gegencinanderstellnng oder der grandiosenGruvpirung der Erdmassen in tellurischen Räumen nicht ohneeinen großen Einfluß auf die vor- oder rückschreitende Ausbildungihrer Bevölkerungen, die natürlichen Verbreitungen, Ansiedelungen,Verbindungen der Völker und Staaten: kurz auf den ganzen Ent-wickelungsgang der Menschen-, Völker- und Staatengeschichte ge-wesen sein kann. Sollte eine höhere Weltmacht die Erdtheileaus ihren gegenwärtigen Stellungen in andere verschieben, sowürde daraus eine andere Weltgeschichte der Menschheit hervor-gehen.
So giebt es ein räumliches Grundelement aller Geschichte;so existiren beachtenswerthe große Gesetze der Anordnung.
Das an mathematische Umgrenzungen gewöhnte Auge hatüber die Erde ein mathematisches Netz von Längen- und Breiten-