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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Weltstellung der Erdtheile.

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gemeinen Naturgesetzen haben, da ihnen der höhere Standpunktder wissenschaftlichen Ueberschau bei ihreu noch geringen Welt-erfahrungen fehlte.

Aber Strabo's Scharfblicke eutging doch der große Contrastder trockenen Land- und der feuchten Wasserwelt auf die Orga-nisation des Menschen nicht völlig. Er ist in einer Stelle seinesfünfzehnten Buches wenigstens angedeutet. Dort ist von der ge-feuchteten Luft Indiens, die im Gegensatz der trockenen Luft Li-byens nährender und zeugungsfähiger wirke, die Rede. Und dieswendet er nun auf die menschliche Bildung des Aethiopen unddes Inders an.Mit Recht geben Andere der Sonne dieSchuld, daß sie bei starkem Mangel oberflächlicher Feuchtigkeitmit ihrem Strahl sich in die Leiber einbrcnne; daher wir anchden Inder nicht so kraushaarig und so vollschwarz sehen, wieden Aethiopen, weil jenem feuchte Luft zu Theil wird."

Die Weltstellung der Erdtheile und deren Einfluß auf denEntwickelungsgang der Geschichte.

Außer den dreierlei Formen ihrer Vertheilnngen der Flächen-räume des Festen uud Flüssigen, und des Gegensatzes von Wasserund Laud, führt auch die Stellung der Länder zu einer andern,für das Ganze der Erdoberfläche wichtigen Erscheinung.

Es liegt die Frage nahe, welche Stellung die einzelnen Haupt-gebiete des Erdlandes oder die Erdtheile, wie wir sie nun ein-mal herkömmlich zu nennen Pflegen, auf dem Erdenrund sowohlgegen das Gesammte, als einzeln genommen gegen einander er-halten haben. Welchen Einfluß hat das sich Nahesein der Land-massen, oder ihre Anseinanderrücknng auf ihre Entwickelung habenmüssen, oder haben können? Ist die Anordnung der Landmassennur zufällig, oder gleichgültig? Ist sie bliuden Naturgewalten insZwecklose hinein überlassen geblieben? Oder erkennen wir auch