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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Gebirgsländer.

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Wir gehen nun zu den viel mannigfaltigern und überraschen-den Erscheinungen der Gebirge ihreu Hauptmomenten nach über.

Geliirgsliindcr.

Gebirgsländer können nicht in strictcm Sinne, gleich denPlatcans, Hochländer genannt werden, weil sie keine geschlosseneGesammterhebnngen von ganzen Massen der Erdrinde sind, nichtwie jene massig, d. h. nach allen Seiten in Breite und Länge sichgleichmäßig erheben. Die Gebirge der Erde treten nicht in Erhe-bungsmassen oder Flächen, sondern in linearischen Richtungen,vorherrschend als Erhebungslinien in bestimmteu Rormaldirec-tioncn hervor. Gruppirungen von Gebirgszügen, Gebirgsketten,tonnen zwar vereinzelter, oder auch massiger, mehr oder wenigerdicht in ihren einzelnen Gliederungen zusammenstoßen aber keines-wegs als Continuitäten, und doch ein zusammengehöriges system-artiges Ganze bilden.

Die Gebirge, mit unzähligen Einschnitten, Spalten, Einstürzen,Einscnkungen, tiefen Felsschluchten, Thälern aller Art, nach allenRichtungen unterbrochen, durchschnitten, uud darum überall inihren Massen von einander theilwcisc oder gänzlich unterschieden,sind der directe Gegensatz der Plateaus. Sie haben zwar öfterauch wohl eiue gemeinsame, mehr oder weniger höhere Gesammt-erhebnng als ihre nächsten Umgebungen, der Fuß der Berge. Aberdiese gehört nicht zn ihrem Wesen und kann auch fehlen. DieseGesammterhebung ist relativ nur sehr gering, sie bezeichnet nurden gemeinsamen Fuß des Gebirges. Im Schweizerlande steigendie Gebirge 13000 bis 14000 Fnß empor; der gemeinsame Fußderselben hat nnr 1000 bis 2000 Fuß senkrechte Höhe. Die Tren-nung überwiegt bei weitein den Zusammenhang.

Der Charakter des Gebirgslandes ist die bedeutende Parti-cularcrhebung isolirter Gipfelmasseu: große Differenzen inner-