Kettengebirge.
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eismeer, die Quito -Cordillere gegen den Mexikanischen Meerbusensolche strahlige Gliederung aus.
4) Die ringförmige Gliederung möchte vergleichungs-weise den geraden Gegensatz der strahligen bilden. Sie kommtzur Erscheinung, wenn eine mehr kreisförmige Bergumkränzungin ihrer gemeinsamen Mitte keine Gebirgserhöhung, sondern viel-mehr eine geringe Einsenkung eiuschließt. So sind zwei Berg-landschaften Mitteleuropa's sehr eigenthümlich gebildet, Böhmen und Siebenbürgen . Zwar ist der kreisförmige Ring bei der Um-gebung Böhmens aus mehreren Gebirgsketten von sehr verschie-denen linearen Erhebungsrichtuugen gebildet, die nur an ihrenEnden zusammentreffen, ohne gerade einen 'vollständigen Kreis zubilden. Auch ist die mittlere Einsenkuug nur in relativem Sinneein Tiefland, fondern ein niedriges, bergiges, oft hügeliges oderebenes Land, das aber in seiner Gesammtüberschauung zu demunpassenden Ausdruck des böhmischen Kessels verführt hat. Die-selbe Irregularität wiederholt sich auch bei der SiebeubürgischenLandschaft. Ihre Umkränzung besteht auch aus sehr verschiedenenGruppen, unter sich mehrfach unterbrochener einzelner Gebirgs-gUeder, welche in Kettenzügen von sehr verschiedenen Höhen (bis1800 Fuß) und Directionen, nur kreisartig, eine centrale tieferliegende (bis 2200 Fuß über dem Adria-Meere) scheinbare Ebeneumlagern, die aber doch noch eine Berglandschaft genannt werdenmuß, eben so wie der Böhmische Kessel auch in anderm Sinneeine von Gebirgen umkreiste Plateauebene genannt werden kann.Die ringartige Gliederung ist eines der seltneren Vorkommnisseder Gebirgsbilduug. Vollkommene Ringgebirge finden^ sich häusigim Monde.
5) Eben so selten ist die wirkliche gegenseitige Durchkreu-zung von Gebirgsketten ganz entgegengesetzter Richtungen,z. B. von Osten nach Westen und von Norden nach Süden, wieeine solche Erscheinung durch A. v. Humboldt in der Durchkreu-