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Kettengebirge.
Ural-Ketten am Irmel Tau, wie die Himalha-, Kuenlün- undHindukhu-Ketten im hohen Kaferistan, die Berner Oberalpen, dieWalliser und Graubüuduer Ketten des helvetischen Alpengebirgs imGebirgsknoten des St. Gotthard n. a. Doch sind solche Aus-einanderschnürungeu bei den Kettengliedern hinter einander, nebeneinander, oder in wiederholten Reihen nie ganz regelmäßig odermathematisch genall, sondern nur in ihren großen Gesammtverhält-nissen nberschaulich wahrzunehmen, in Specialitäten aber nur mitder Boussole linearisch zu ermitteln. Dann treten die in bestimm-ten Winkeln sich abwendenden Glieder nnd Zweige hervor, die einlabyrinthisches Ansehn geben uud den Ueberblick erschweren, bisdas gemeinsame Gesetz des Gesammtverlaufs meist erst durch dieinnere geologische Structur aller besondre» Theile gefunden undso die Einheit des Zusammenhangs wieder klarer und übersicht-licher sich darstellt
3) Weilil von einem gemeinsamen hoheru Mittelpunkte dieGliederungen der Ketten, sammt ihren Thälern strahlenförmig,radienartig nach allen Richtungen hin auskaufen, so entsteht strah-lige Gliederung. Bei Massengebirgen, zumal vulkanischen, scheinteine solche Disposition vorherrschend zu sein, die sonst seltnerist, so im Mont d'or und dem Cantal. An ihren Enden sendendie Meeralpen gegen das Mittelmeer , der Ural gegen das Nord-
') Nicht unpassend hat man die Geologie mit einer Anatomie derGebirgsketten verglichen, weil sie gleich der Anatomie der Organis-men genügende Aufschlüsse durch Zerlegung der Ketten über ihren in-nern und äußern Zusammenhang, durch ihre Bestandtheile uud Con-struetion geben kann. Je mehr diese Ketten im Einzelnen geologischstudirt werden können, desto sicherer ist der Ausschluß, den das Ganzedadurch erhält. In sofern haben die kleineren und gesonderten euro-päischen Gebirgsformen, zumal in Mitteldeutschland , die Grundlage»der geologischer Wissenschaft abgeben können, weil in ihnen die unend-liche Mannigfaltigkeit auch aller colossalen Gebirgsformen erst zugäng-lich uud erforschbar werden konnte, um sie i» jenen wieder zu er-kennen.