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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
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Jntumescenzen der Erde.

Die Plateaubildung nach ihrer Entstehung.

A. v. Humboldt hat den Ausdruck Intumescenz sehr pas-send zur populären Bezeichnung für die EutstehungSweise der Pla-tcauländcr gebraucht. Plateauländcr erscheinen als große, weite,lange und oft auch breite, meist ebene, wellige, hügelige, blasen-artige Anschwellungen großer Strecken der Erdrinde nach oben,mit thcilweisen Einscnkungen durch Erkaltung und Zurücksinkeninnerer Räume. Sie blieben dabei in ihrem Innern nach untenin stetigem Zusammenhange, und zeigen nur bedeutende Fracturennach außen, nicht nach innen, keine Einstürzungen auf und ab,wie diese in ihrem ganzen Verlauf den ganz verschiedenen Cha-rakter der Gebirgsbildungen bezeichnen, sondern zuweilen ein mehrcentrales Einsinken in ihrer Mitte. Nur unterirdische emportrei-bende Gewalten konnten solche große Aufblähungen und Empor-hebnngen eines Theiles der Erdrinde über andere, niedriger zu-rückbleibende oder wieder zurücksinkende Theile bewirken. Ihreverschiedenartigen, doch verhältnißmäßigeren Formen zeigen, daß sienur allmählich emporgehobene Erdbuckel, zur Zeit eines noch wei-chen, aber zähen, unstreitig erhitztcrn Zustandes der Erdrinde inden frühesten Bildungsperioden der Planeten sein konnten: Mas-fenerhebnngen mit Flächen, im Gegensatz der linearen Kettenzüge,die nur aus einzelnen langen Spalten der Erdrinde hervorgedrängtwurden, durch cyklopische Gewalten emporgehoben in einer allge-meinen plntonischen Hitzperiode des Erdballs, vorzüglich durch dieGewalt hebender Dämpfe. Diesen massige,? Erhebungen an dereinen Stelle mußten zugleich die großen Einscnkungen der Niede-rungen nnd des benachbarten Meeresgrundes an andern Stellencorrespondiren. Eine solche Massenerhebung hob den großen denganzen Erdglobus umspannenden Plateauring, der am ganzen Süd-ostrande der Alten Welt von Südwest nach Nordost emporsteigt,und noch heute in dem Durchschnittswinkel von 45° durch den