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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Geographie und Geologie.

andere Schichten, die dann wieder von noch jüngeren Erzeugnissen,den Bildungen des Diluviums und Alluviums, das bis in dieGegenwart fortdauert, überlagert werden konnten

') So mannigfaltig die Bildungsnrsachen und Verhältnisse, unter denendiese ErhebuugLmassen der Erde hervortreten konnten, sich darbieten,so mannigfaltig ist auch ihre Materie und Forin nach innen und außen.So wechselnd ihre Ausbreitung, Richtung, Mächtigkeit, Höhe und suc-cessive Wiederholung wirkender plutonischcr und ueptuuischer Gewalten,so verschieden ihre Altersfolge nnd die ganze Natur der ihneu au- undaufgelagerten Massen, so unerschöpflich die vielfachen localen Erscheinun-gen in ihren Gestaltungen, Durchbrüchen, Zerreißungen von nuten nachoben oder zur Seite, und in den damit verbundenen eigenthümlichenProductiouen, nach deueu mau deu mineralogischen Reichthum derselbenzu beueuueu Pflegt.

Die jüugereu Ausfüllungen der Spalten nnd Zerrüttungen lassensich in den immer enger werdenden erstarrten Felswänden nicht seltenvon den ältern, weiteru leicht unterscheiden. Es sind die Gänge, indenen meist aus den größten Tiefen der Hitzhcerde die Erze, die Subli-mationen wie Goldsand, die Salze, die gediegenen Metalle, wie Gold,Platin, Kupfer, Magneteisenstein nnd Edelsteinkrystalle u. a. bis zurerstarrten Oberfläche der Erdrinde, doch selten bis ganz zn Tage dran-gen, so daß erst die Kunst des Bergbaus sie hervorrufen mußte.

Aber auch mächtige Gänge (V/Kes), oder Dämme'uud Stein-mauern drangen massenhaft auf diese Weise als Porphyre, Basalte,Trachyte u. s. w. hier uud da hervor, und bilden merkwürdige Formender Gebirgsbildnugeu in verschiedenen Durchschneidungen der Erdrindean ihrer Oberfläche. Der Mineralreichthum giebt den verschiedenenTheilen der Erdrinde wieder ganz eigene Charaktere und Werthe fürdie Meuscheu.

Mit der theoretischen und erforschenden Untersuchung dieser Ver-hältnisse haben es die Wissenschaften der Mineralogie, Geognosie, Geo-logie zu thun; wir haben von ihnen nur einige allgemeine Resultateund Betrachtungen erborgt, weil sie die Grundlage aller Oberflächen«erscheinungen in ihrer Wurzel zu vertreten haben. Die Geologie wirdin ihrer so großartig fortgeschrittenen Entwickelung immer mehr undmehr einer fortschreitenden Geographie unentbehrlich werden als ihrenothwendige Basis. Beide sind in ihren Elementen verschwisterte sichgegenseitig nothwendig ergänzende, vervollständigende Disciplinen.