Stromgebiet und Slromsystem.
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Gebirgsschichten sich entwickeln lassen, weil noch andre bedeutendeKräfte als Förderungen oder Hindernisse der Thalbilduug zugleichmit einwirkten. Also hat die Schichtung zwar Einfluß, aberkeinen generellen auf die Thalbilduug ausgeübt. Aber einen vor-herrschenden übt sie aus, wo ihr Streichen mit der Längcncr-streckung des ganzen GebirgSzuges zusammenfällt, einen minderausgezeichneten, wo dies nicht der Fall war. Z. B. in den Alpenvon Südsüdwest nach Nordnordost, im Jura von Südwest nachNordost, in den skandinavischen Gebirgen von Süd nach Nord.
Außer der Schichtung der Gebirgsarten hat auch die Lage-rung der verschiedenen Gebirgsformationen Einfluß auf die Di-rectiou der Strome gehabt, uud zwar einen gleich wichtigen. DieGebirge bestehen nicht aus ciuerlci Gebirgsart, sondern aus ver-schiedenen. Was die Schichtung nur iu Beziehung auf einerleiGebirgsmasse ist, das bezeichnet Lagerung in Beziehung einerGebirgsmasse auf die andere. Man unterscheidet unterliegende,aufliegende, anliegende Lagen. Diese sind gewöhnlich von verschie-dener Altersfolge, z. B. Sandstein, Gyps, Kalkstein, Grauwacke,Granit. Diese Aulageruugeu finden nur in unmittelbarer Berüh-rung statt, oder sie sind von einander getrennt durch Thäler, wiez. B. in den Karpathen die Thalebenen die südlichen kalkige» Vor-karpathen von dem hohen Granit der centralen Karpathen scheiden;oder sie sind in unmittelbarer Berührung, wie auf dem Westarmederselben Karpathen. Da wo nun verschiedene Gebirgsfor-mationen und verschiedenartige Gebirgsmassen zusammenstoßen,da ziehen die Ströme lieber auf der Grenze beider hin, alsin einer der Quere nach dnrchsctzenden Ricbtung. In dieserLängenerstreckung der Lagerung bildeten sich auch die längsten undtiefsten Thäler durch Auswaschungen, weil da der geringere Wider-stand der Zertrümmerung stattfand. So im Ural, so bei Isöre,Rhone, Aar, Iuu, so iu alleu Läugenthäleru der Alpen undPyrenäen, z. B. beim Ebro , wo Gypsanswaschnngeu eintraten.