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Ob« lauf.
der sehr steilen Nordseite der Pyrenäen beträgt das Gefalle 3bis 4 Grad, auf der Südseite der Alpen , von den Gipfeln desMont Rosa und Montblanc bis zu den Ebenen von Piemont3H Grad. Weit geringer ist die Neigung in den niedrigerenBergziigen. Dieser allgemeine Neigungswinkel ist aber die mitt-lere Größe, zusammengesetzt aus einer sehr großen Anzahl von be-sondern, sehr verschiedenartigen Neigungen, die beständig abwech-seln und auf und ab schwanken, und bis zu senkrechten Steil-wänden ansteigen. Die besonderen Neigungswinkel sind der Regelnach stärker als die mittlern. Ein Neigungswinkel von 15 Gradist schon sehr steil; er ist das Maximum, um für Lastthiere gang-bar zu sein. Ein Neigungswinkel von 7 bis 8 Grad ist schonfür Fahrwege von langer Erstreckung das Maximum des Ge-hänges -— alle fahrbaren Gebirgswege müssen geringeres Gefällchaben. Bei Neigungswinkeln von 35 Grad braucht der Menschzum Uebersteigen der Gehänge schon Hülfsstufen. Eine Neigungvon 44 Grad fand A. v. Humboldt in den felsigen Hochgebirgenvon Mexico und Peru schon unersteigbar; nur wo noch Pflanzen-wuchs sich zeigt und den Fuß fixirt, sind die Abhänge noch etwassteiler zu betreten. Daher sind die Karpathenhöhen wie die Pyre-näengipfel wegen ihrer Steilheit und des geringen Pflanzenwuchsesder Höhen schwer zu ersteigen. Die Schweizer Alpen sind ihresreichern Rasenteppichs wegen zugänglicher bei gleicher Steilheit,als die Pyrenäen und Cordilleren. Die reichsten Alpenwiesenhaben in den Schweizer Gebirgen höchstens nur eiuen Nei-gungswinkel von 20 Grad; bei größerer Steilheit hastet dieVegetation schon schwerer. Den Neigungswinkel, auf welchemnoch Erdbedeckung haftet, nimmt Lehman in seiner Theorieuur zu 45 Grad an, nnd uennt ihn natürliche Abdachung,weil Regen die größere Steilheit abflacht. Aber dies ist zugering angenommen, da die Vegetation noch steiler aufsteigt(in den Schweizer Alpen ), und der mehr oder minder feste