Oberlauf.
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Erdboden bei Fixirmig durch Pflanzenwuchs hier sehr große Ver-änderung in der Natur hervorbringt. Von dieser Neigung steigensteiler auf die Thalwände und Bergseiten der Hochgebirge, bis zusenkrechten Ueberhängen.
Der obere Lauf stürzt oft mehr als daß er fließt, durchfelsige Zickzackschluchten und Thäler, ist voll Wasserfälle, Kata-rakten. Er durchzieht Kesselthäler, Engpässe, Alpenseen, dieseinen wilden Lauf erst abklären von den Trümmern, die er mitsich fortreißt, und schlingt durch seine wilden Stürze so viel Luftein, daß sein Lauf zu einem mehr fchaumigen, weißen Silber-strome wird. Erst im ruhigen Laufe wird er krystallhell und imtiefen, stillstehenden See smaragdgrün oder indigoblau. Er istunschiffbar, ungcbändigt, wild romantisch, durchzieht nnr Gebirgs-landschaften und obere Stufenländer.
Diesen Charakter der Wildbäche haben die Achen in Salz-burg, die Gaven in den Pyrenäen, die Elven in Schweden undNorwegen . Die Gaven in den Pyrenäen haben auf jeden FußLauf der Länge nach auch einen Zoll Fall, dazu Strecken vonzwei bis drei Fuß Fall. So bei fast allen Alpenwassern, da-her sie im beständigen Gebrause viel Luft einschliugen und zuSilberbächen werden. So auch alle Karpathenwasser, ehe siein die umkreisende Hochebene eintreten. Auch die laugen Al-penseen sollen innerhalb des Gebirgs noch bedeutendes Gefällehaben, z. B. der Lago Maggiore zwischen Magadino und Arona52 Fuß.
In allen Systemen der Hochgebirge Europas zeigt sich dieseForm der obern Laufströme vorherrschend. Nordeuropa ist da-durch charakterisirt, daß seine strömenden Gewässer fast nur denCharakter des obern Laufs haben — so schon im nördlichen Ruß-land, in ganz Schweden, Norwegen und Schottland .
Alle diese Verhältnisse ändern sich beim Austritt aus denHochgebirgen und den Ländern, die ihren Charakter tragen.