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Mittlerer Lauf.
Weit geringer ist das Gefalle unterhalb der Wasscrstürze undAlpcnseen, oder, bei Flüssen, die nur einen sehr unbedeutendenoder gar keinen obern Lauf von Steilabfällen der Berge haben,wie z. B. bei den meisten im östlichen Europa . Da tritt ein sehrgeringer Neigungswinkel der Abhänge ein. Der obere Main hatvom hohen Fichtelgebirge herab innerhalb einer Stnnde noch immerein mittleres Gefalle von 342 Fuß. Weit geringer ist das dermeisten übrigen mitteldeutschen Flüsse. Z. B. der Neckar hat vonseiner Quelle (2084 F.) bis Heilbronu (450 F.) in 50 StundenLaufs 32 Fuß Gefälle, oder auf 32 Fuß Lauf uicht einen ganzenZoll Gefälle. Das Gefälle der Saale vom Fichtelgebirge beträgtauf eine Stunde noch 61 Fuß, das Gefälle der Naab nur 44Fuß, am unbedeutendsten ist das der Eger. Noch geringere Re-sultate giebt das Profil des Oderlaufes in Schlesien . Noch unbe-deutender ist das Gefälle der Wolga , auf 437 Meilen Lauf uur einGefälle von 1400 Fuß, also auf eine Meile nur 3 Fuß 3 bis 4Zoll; in ihrem untern Laufe muß dies uoch weit geringer sein.
Die Wirksamkeit der Wasser muß daher hier auch ganz audreFormen der Flußbetten hervorbringen als im Oberlaufe.
Flußbett uennt man die ganze Breite des Raumes, dender Fluß eiunimmt, nach dem Wasserstande oft fehr verschieden,znmal bei den größern Strömen, z. B. Amerikas . Der Missisippiist bei Natchez bei niedrigem Stande eine englische Meile breit,bei hohem 6 geographische Meilen. Der Orinoco bei St. TomasZ Meilen, bei hohem Wasser 15 Meilen breit. Ebenso finden beider Wolga nnd Donau in ihrem untern Laufe große Wechsel derBreite statt. Nach dem Sommerbctt der Ströme nimmt mangewöhnlich ihre Normalbreite und Normaltiefe an. Die Strom-rinne ist verschieden vom Flußbett, es ist der besondere Theil,welcher der ganzen Flnßmasse erst Leben und Bewegung giebt,