Mittellaus.
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seine lebendige Ader. Im obern Laufe fällt sie meistent Heils mitdem Strombette in eine Linie zusammen; im mittlern und unternLaufe ninimt sie dagegen nur einen sehr kleinen Theil der ganzenBreite ein, aber da bestimmt sie eigentlich die Richtung, Neiguu gund Geschwindigkeit des Wasserlaufs. Sie liegt gewöhnlich nichtin der Mitte des Stroms, sondern auf einer Seite, und wandertvon einer zur andern; sie zeigt sich in der Fahrstraße der Schiffe;sie folgt zwar dem allgemeinen Gefalle, zieht aber zunächst an dersteilsten Gebirgswand des Thalbodens hin. Sie erweitert dasganze Strombett immer seitwärts, daher auch die Ströme selbstsogar in weiten Ebenen, wie in den ungarischen, nie in derMitte derselben hinfließen, sondern immer den Steilseiten zunächstlaufeu, z. B. an der äußern Peripherie der karpathischen Hoch-ebene alle vier Karpatheuströme, deren Steilseiten gegen die Vor-karpathen gerichtet sind — wie in den nördlichen Schweizer Ebenen zwischen Alpen und Jura alle Steilseiten der Strom-betten gegen die Iurakette, nicht gegen die den Alpen vorliegendeEbene, gerichtet sind; alle Steilseiten des Ebrothales nicht gegendie Pyrenäen und ihre Ebenen, sondern auswärts gegen die Halb-insel, u. s. w. Alle Ströme Süd- und Mittelrnßlands habendaher an den Ostufern ihre flachen, an den Westufern ihre steilenWände, eben weil an den Ost- und Südostseiten die größernFlächen liegen. In dem ebenern Boden werden durch die Strom-rinne die Windungen der Ströme vergrößert. Diese Windungenhemmen die Bewegung. Der Schlangenlauf der Ströme, dieSerpentinen, bilden sich; sie machen die Charakterform desmittlern Stromlaufes aus, wie sie jeder Bach auf sanft geneigterWiesenfläche im Kleinen zeigt. Zwischen diesen Serpentinen unddurch sie bilden sich unzählige Inseln, Werder, Auen — z. B.zwischen Basel und dem Rheingau, im Rheinthal; aber mit sehrwenigen Ausnahmen keine Seen — welche den obern Lauf derStröme charakterisiren. Aber es läßt sich bei diesen Stromthälern