Mittellauf.
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fälle finden wir bei allen Strömen, auch an Rhein und Donan.Dies zeigen die zugernndeten Felsflächen und die Auswaschungender Berg- und Thalwände über ihrem Niveau. Am stärksten undim größten Maßstabe zeigt sie sich bei dem vielleicht größtenWasserfalle der Erde, bei dem Niagara. In ihm sehen wir dieGeschichte der Gefälle aller anderen Ströme. Der Niagara trittaus dem Erie in den Ontario-See , der 8 Stunden davon ent-fernt nnd 300 Fuß tiefer liegt. Im zweiten Drittheil seinesLaufes stürzt er sich 142 Fuß hinab in die Tiefe nnd strömt dannweiter in einer tiefen Bergspalte, welche er sich selbst erst ausge-höhlt hat iu den weichern Gesteinarten zwischen beiden Seen.Dieser Wasserfall befand sich anfänglich am untern Ausgange derEbene, aber gegenwärtig liegt er um beinahe 2 Stunden weiteraufwärts (30,000 Fuß). Er schreitet noch immer rückwärts, seit-dem die Europäer ihn beobachten konnten, und wird wie alleandre einmal ganz verschwinden. Auf ähnliche Art wiederholensich überall dieselben Erscheinungen, nur in kleinerm Maßstabeund minder sichtbar. Je mehr Felstrümmer, Grus und Schuttdie Wassermassen mit sich wälzten, desto eher mußten sie die Fels-tafeln an ihren Stromengen einreißen, durchbrechen.
Die Uebergänge, welche die fließenden Wasser aus denobern dieser trocken gelegten Seeboden in die untern machen, sindfast insgesammt bei allen Strömen noch sichtbar; nicht durchgroße Wasserfälle, die nur dem obern Lauf angehören, sonderndnrch bloße Stromschncllen. Sie sind mehr oder weniger cha-rakterisirt durch FelSengen, Stromverengerungen, Znsammenschnü-rnngen, häufig noch durch Felsbänke, welche die Ströme querdurchsetzen, oder nur als Klippen, Stufen und Untiefen übrig ge-blieben sind, als die Trümmer von Katarakten der Vor- undUrzeit. Sie sind daran bestimmt erkennbar, daß sie völlige Gleich-artigkeit der Bestandtheile nnd charakteristische Eigenthümlichkeithaben, jedesmal auf beiden Seiten des Stroms und in den Klip-