Druckschrift 
Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

Unterlauf.

177

Beachtung und Erforschung wird noch zu wichtigen Resultatenüber den Bau des Erdganzen in deu Stufeuländern führen.

Wie das starke Gefälle, die großen Katarakten, die steilenFelsufer und Alpenseen den obern Lauf der Ströme innerhalbder Hochgebirge charakterisiren, so bezeichnen diese Stromschnellennebst den weiten horizontalen Seeboden zwischen ihnen und dieSerpentinen den Mittellauf derselben innerhalb der Stnfenländer.Unterhalb der letzten Stromschnellen treten die Ströme gänzlichin den horizontalen Boden des flachen Tieflandes oder in dieNiederungen ein, in welchen ihre dritte Charakterform sich zeigt.

Unterer Lauf.

Sobald bie Vormauern in den oberen Stufen durchbrochenwaren, wurden mit ihren Trümmern die untern Stufen überschüttet.Wir finden auf der Oberfläche der Niederungen im untern undmittlern Laufe der Ströme die Stein- und Erdarten der obernRegionen zerstreut uud zertrümmert als Rollkiesel und Schlamm-masse. Das Gefälle des untern Laufs nimmt fast bis zumUnmerklichen ab. Verhältnißmäßig am größten scheint das Ge-fälle in der untern Wolga zu sein: von Kamyschin bis zumKas-pischen Meere über 150 Fuß Gefälle, also auf weniger als 100Meilen ihres Laufs mehr als 150 Fuß Gefälle. Der Senegal von Podor zum Oceau hat auf 60 Stunden Wegs nur nochFuß Fall, der Amazonenstrom auf 40 Meilen landein nurM Fuß Gefälle, also auf 1000 Fuß kaum 2 Linien. Daherdringen die Meeresfluthen in solchen Strömen sehr tief landein indie Continente vor.

Nun treten mehrere Kräfte in beständigem Kampfe gegeneinander auf: der Seitendruck der sehr mächtigen Wassermassen,die jährliche Periode der Stromschwellen, der Gegendruck derEbben uud Fluten der Meere an den Mündungen. Noch vorder Herstellung des Gleichgewichts bildet dieser Kampf der Elemente

Ritter allgem. Erdkunde. 12