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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Unterlauf.

die Strombetten beständig um. Die Wassermasse des Stromssucht nach Ausgleichung des Niveaus durch die Stromscheidungoder Armtheilung, Bifluenz in zwei Arme, wie der Nil , oderTheilung in mehrere, wie bei Rhein und Donau , oder in sehrviele (gegen 65) in der Wolgamündnug. Die Arbeit des Stroms,der Widerstand des Meeres, sowie der gemäßigtere Lauf, in wel-chem die schwerern mit sortgerissenen Massen leichter zu Bodenfallen diese bewirken den Niederschlag oder die Ablage derStröme iu ihrem untern Laufe. Uuter der Wasserfläche erscheinendie Ablagerungen als Sandbänke, Sandinseln, Flußriegel, Bar-ren ; über der Wasserfläche als flach angespültes Mündungsland,als Deltas der Ströme. So z. B. am Rhein , am Nil, amEuphrat, Judus, Ganges , Missisippi an etwa 14 Hanpt-strömen der Erde. Das Gegentheil, noch nicht gefüllte Räume,sondern weite Mündungen, negative Deltas oder tiefere Einschnittedes Oceans (Inlets ok tüo Oooan) zeigen sich bei etwa 9 andernHauptwassersystcmcn der Erde, Ob, Ienisei, Loreuzo, Columbia,La Plata; meist im Norden der Erde, wo die jüngere Ftötzbildnngfehlt, die den Ansatz der Deltas fördert. Es ist kein lockererBoden vorhanden und darum können sich die Mündungen derNordströme nicht mit fruchtbarer Ackerkrume füllen.

Eine andre Eigentümlichkeit des untern Laufs ist das außer-ordentlich häufige Wechseln der Stromrinne, das Wandern desStrombettes von einer Seite zur andern. Es ist dies natürlicheFolge der leichtern Berschiebbarkeit des aufgeschütteten Erdreichsund des verstärkten Seitendrucks der Wassermasse. Bei demuntern Laufe z. B. des Ganges, Indus, Euphrat, Nil, Rhein , undPo kann dieses Wanderu historisch verfolgt werden und giebt durcheine lange Reihe von Jahrhunderten höchst merkwürdige Resultatefür die Bildung der Ebenen und die Geschichte der anwohnendenVölker. Vom untern Lauf der Ströme beginnt die alljährlichwiederkehrende allgemeine Ueberschwemmung des Flachlandes unter