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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Mündungen.

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allen Theilen der wärmeren Erdgegenden, und davon hängt gro-ßentheils der nene Ansatz des Thalbodens durch die arbeitenden,Schutt führenden Ströme ab (des Herodot ?ror«^ot xs/artxol').Die größere Fruchtbarkeit der Niederungen im untern Laufe, vor-züglich durch die größere Bewässerung und den stärkern Seiten-drnck der Ströme und ihrer Arme ist bekaunt. Dadurch sindBengalen, Babylon ien, Aegypten, die Lombardei, Holland und dieNiederlande u. a. die Kornkammern der Nachbarstaaten geworden.

Je nachdem diese Hanptströme ihrer Mündung nach einemBinnenmeere, oder einem Ocean mit Ebbe und Flut zugewendetsind, ändert sich auch wieder die ganze Natur des untern Strom-laufes. Den größten und höchsten Fluten der Oceane sind dieMündungen gegen Ost und Süd, also die der chinesischen, indi-schen und ostamerikanischen Weltströme zugekehrt, die daher ansmehr als 100 Meilen landein die Natur des Oceans annehmen.Denn so weit in den Continent dringen da die salzigen Meeres-flutheu täglich regelmäßig vor, begünstigen die tiefe Einfahrt derSeeschiffe in die Landschaften, und verwandeln hierdurch dieseNiederungen in die Uebergänge zwischen Continent und oceanischenInseln. Alle dem Norden und Westen zugekehrten Mündungender Weltströme werden schon weniger tief landein von dem Ein-dringen der MeereSstuthen afsicirt. Dahin gehören auch die mei-sten europäischen Ströme. Eine besondere Eigenthümlichkeit be-haupten dagegen die drei Wasscrsysteme des Nil, der Donau undder Wolga , deren Normaldirection nicht gegen die Oceane, sonderngegen das Innere der Alten Welt gerichtet ist. Sie bilden einKleeblatt nicht oceanischer, sondern continentaler Weltströme; anihnen kann sich keine Ebbe und Flut zeigen. Ihr Mündnngs-land und unterer Lauf muß daher auch einige verschiedene Ver-hältnisse darbieten von denen aller andern Ströme der Erde.

Schon früh hat man beobachtet, daß nicht alle Ströme, wennsie auch das Meer erreichen, einsließen, sondern daß manche vor

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