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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Mündungen.

demselben stehen bleiben. So ist es mit der Themse und denmeisten nordamerikanischen Flüssen. Die Fluth des Oceans steigt2030 Fuß hoch nnd bildet einen Damm vou Osten nach Westen.Erst wenn die Ebbe eintritt nehmen die Ströme ihren Laufweiter. Die Stellungen der Ströme gegen die eindringendenMeeresslutheu sind überhaupt sehr verschieden. Die chinesischenStröme steigen oft durch die eindringende Fluth 40 Fuß höher.Dadurch entsteht ein salziger Mceresstrom. So ist's mit derThemse in London . In der Stadt schöpft man in den obernSchichten salziges Wasser, in der Tiefe süßes. Der Fluthen-kampf ist an solchen Mündungen überall vorhanden: Meeres-fluth kämpft mit Süßwasserfluth. So am Orinoco, Ganges , anden chinesischen Strömen; am heftigsten sind solche Kämpfe amLorenzstrom. In allen Erdthcilen giebt es viele kleinere Flüsseund Bäche, die gar keine Mündungen haben und sich mit ihrenWassern nnter die Erde verlieren, ehe sie noch die Flnßtiefc oderMeerestiefe erreicht haben. Ost brechen sie dann nach einemzurückgelegten nnterirdischen Laufe wieder vor, als derselbe Strom,obwohl meistens unter andern, Namen. Am bekanntesten ist die?kito <Zu Rllöue im Westen von Genf , der unter einer Kettedes Iuragebirgs hiudurchflicßt. Ebenso die Maas , die oberhalbNeufchateau westlich von Naucy in den Vogesen bei Bozoillesunter die Erde sich verliert, unterirdisch zwei Meilen fließt bisNoncourt, wo sie erst wieder hervortritt. Es giebt große Länder^strecken, welche als Regionen solcher verschwindenden Flüsse cha-rakterisirt sind. So die Region des Jura (Kalk) Gebirges, dieRegion des Südabhanges der österreichischen Kalkalpen an derDran uud Sau. Fast jede Stunde trifft man da auf einen ver-schwindenden Bach oder Fluß: Sau, Bistra, Laibach, Ischitza,Poik, der Cirknitzer See. In der Region des hohen Plateaus vonHochasien, in der hohen Gobi kennt man 68 Flüsse, die sich soverlieren, im Norden vou Tübet sollen 115 solcher Steppenflüsse