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Zwittevströme.
diese Formen Zwittersysteme nennen. Sie wiederholen sichauch, nur kleiner, in andern Erdtheilen, wie in Afrika zwischenSenegal und Rio Grande. Dort ist ein Flußnetz zwischen beidenParallelströmen vorhanden, das jedoch nur in der nassen Jahres-zeit Beschiffnng möglich zu machen scheint. Im innern Afrika scheint ein solches Zwittersystem zwischen Tsad -Zuflüssen vonOsten durch den noch problematischen el Ghazel, wenigstens nacharabischen Berichten, mit dem Westzufluß des Bahr el Abiadstattzufinden. In Indien scheint ein solches Zwittersystem einstzwischen dem mittlern Laufe des Indns und Dschumna, alsoGauga, durch Vermittelung des Sarasvati oder Histara undGharghara (bei Bhatuir) stattgefunden zu haben. Vielleichtanch in Inner-China zwischen Hoangho und Kiang, wo aberder Kaiserkanal die Zwitterrolle übernommen zu haben scheint,wie etwas Aehnliches in den Lithauischen Sumpfrevieren zwi-schen den Zuflüssen des Bug und Przypec, zwischen Weichsel -und Dnepr-System, der Muchowicza-Graben darbietet. Künst-liche Systeme dieser Zwitterbildungen sind sehr häufig durch Ka-näle hergestellt.
Noch eine andre erfolgreiche Erscheinung in der Gestaltungder Stromsysteme bietet der Conflict der Orographie mit derHydrographie.
Obwohl alle Ströme in ihrem Entwickelungsgange dem all-gemeinen Gesetze der Fallthätigkeit von den Höhen nach denTiefen folgen müssen, so ist doch auch hier ein weiter Spielraumfür die mannigfaltigsten Erscheinungen gelassen. Nicht überallsind es nothwendiger Weise Wasserscheidelinien, welche entgegen-gesetzte Stromgebiete trennen, sondern oft, wie auf allen mehrebenen Platcaucrhebungen, von denen sich Stromgebiete nachden verschiedensten Seiten hinabsenken, sind es weite neu-trale Landstrecken, Plateauebenen/ welche die Stromsystemescheiden. So durch den größten Theil von Centralasien , so in