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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
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Doppelströme,

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Hnallaya, Maranon, die alle drei beim Eintritt zum mittlernLaufe erst den Amazonas bilden. Oder fünf fast eben fo eben-bürtige wie bei dem Indus. Oft ist nur durch Herkommen undSprachgebrauch die Benennung des Hauptstroms in Gang ge-kommen, oft aus umgekehrten Principien, wie bei Donau undRhone . Nehmen die doppelten Rinnen aber Antheil an demganzen Verlanfe des Systems, am obern, mittlern und unternStufenlande, so haben sie auch andre Bedeutung; es sind wahreDoppelsysteme von doppelter Bedeutung in ihren Einflüssen undFunctionen für das Ganze des Stufenlands geworden. Nachihrer Vereinigung zu eiuem au der Münduug gemeinsamen Ganzenkann man sie Brüder- oder Geschwisterströme, im Gegen-satz der einsamen Stromläufe nennen; nach dem Raume, densie zusammen einschließen (dem Mesopotamien ) aber mesopota-mische Stromsysteme. Zwischen solchen Doppelströmen er-wuchsen die Großstaaten des Orients. Allbekannt und einflußreichauf Völkergeschichte und Staatenbildung sind in dieser HinsichtEuphrat uud Tigris zum Schat el Arab vereinigt, Ganges uudBrahmaputra zu den Sunderbunds, Oxus und Jaxartes, dieim Aralsee sich vereinen, Hoangho und Jan tse kiang, welche dasSüd- und Nordreich durch das chinesische Mesopotamien , dieBlume der Mitte, auseinander halten, aber in einem gemeinsamenDelta am Ocean zusammentreten. Es sind diese Geschwister- oderhydrographischen Doppelsysteme znmal in Asien vorherrschend undtragen nicht wenig zu dem großeu orientalen Charakter desGanzen bei.

In Südamerika tritt eine noch anders entwickelte Form derStromshsteme mit einem wirklich sich durchkreuzenden Netzgeflechtehervor. Der Amazonas steht durch den Rio Negro vermöge desZwitterstromes Cassiquiare mit dem Orinoco in Verbindung. Soist die Schifffahrtverbindung im Mittellaufe nach beiden Seitenermöglicht, wie dies A. v. Humboldt nachgewiesen hat. Man kann