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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Afrika .

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dercs Klima seiner Erdstellung und seiner gegliederten Ge-staltung." Es sind dies Begriffsbezeichnungen, deren wir unsseitdem in der Abhandlung über geographische Stellung und hori-zontale Ausbreitung der Erdtheile 1826 und in allen unsern nach-folgenden geographischen Schriften, wie bei unsern vieljährigenVorträgen über Erdkunde bedient haben.

Die horizontalen Dimensionen oder die horizontaleGliederung der Erdtheile.

Wir gehen von den einfachsten zu den immer mehr entwickel-ten Formen über und beginnen deshalb mit Afrika , das seinenContourformen nach als das einförmigste erscheint.

Afrika , der Süden der Erde, zeichnet sich unter allen dreiErdtheilen der Alten Welt durch seine fast inselartige Abgeschnit-tenheit und Gleichförmigkeit aus. Nur durch die schmale, kaum15 Meilen breite Landenge von Suez steht es in unmittelbarercontinentaler Verbindung mit Westasien. Aber sie ist wahrscheinlichjüngerer Natur und es fehlt sonst jedes übergreifende Verhältniß.Afrika hat eine in sich abgeschlossene Erdgestalt; seine Küsten-peripherie zeigt eine im Ganzen elliptische Form. Ohne die einzigetiefere Einbncht des Golfs von Guinea auf der Westseite würdeder Erdtheil fast als ein geschlossenes Oval, als eine Eiformge-stalt, erscheinen. Die Dimensionen sind fast gleich groß. SeineBreite von Nord nach Süd beträgt 35 Grad zu jeder Seite desAequators, also 70 Breitengrade in ganzer Ausdehnung (1050Meilen). Seine Länge von West nach Ost beträgt fast 70 Län-gengrade. Die Längenachse des Ovals ist der Breitenachse fastgleich, auch 1050 Meilen.

Ruudum von Meeresküsten begrenzt ist die Peripherie seinermcerumspülten Gestadelinieu die einförmigste aller Erdtheile. Auchdiese Einartigkeit seiner Gestade giebt schon der bloße Blick aufdie Landkarte zu erkennen. Nirgends tief einsetzende Meeresarme,