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tiefe Buchten oder Mittelmeere, überall nur geringere Aus- undEinbiegungen, wenn man den Guinea-Golf ausnimmt. Der Um-fang seiner Küstenkrümmung von etwa 3400 bis 3600 Längen-meilen bildet die einförmigste Küstenbegrenzung aller Erdtheile.Sie ist daher für ihr Areal die verhältnißmäßig kürzeste Küste.Der Continent von Afrika steht also im geringsten Contact mitdem Ocean.
So ist alle Individnalisirnng von Natur- und Völkerverhält-nissen Afrika's ungegliedertem Stamme, dessen Enden nach allenSeiten, wegen Dimensionsgleichheit seiner Gestaltung, der Mittegleich nahe oder gleich fern liegen, versagt. Die astronomisch ebenso gleichförmige Lage zu beiden Seiten des Aequators ragt nir-gends über die tropische und subtropische Klimatik in andere Ge-gensätze hinans. Darnm sind denn auch alle Erscheinungen indiesem Erdindividuum, dem wahren continentalen Süden der Erde,in dem alle Culminationen der Tropenwelt ihr Maximnm derHöhe erreichen, die einförmigsten, gleichartigsten, wenn schon insich eigenthümlichsten, doch ohne Mannigfaltigkeit der Gegensätzegeblieben. Daher sind in der Völkerwelt dieses Erdtheils diepatriarchalischen Urzustände in der menschlichen Gesellschaft gänz-lich außer Berührung mit den Fortschritten der Zeit geblieben;er scheint als ihr Asyl auch noch Jahrtausende hindurch für denEntwickelungsgang einer unentschleierten Zukunft aufbewahrt zusein. Denn nur generelle, keine individnelle Entwickelungen, wederin Pflanzen, Thieren, noch Völkerschaften oder einzelnen Menschenzeigen sich auf diesem stationären Boden: die Palme, das Kameelund ihre Gefährten erscheinen gleichmäßig in allen Nord- undSüd-, Ost- und Westenden; der Negerstamm ist die fast aus-schließlich einheimische Bevölkerung. Keine hervorragende Indi-vidualitäten von Culturen, Staatenbildungen, Völkerschaften oderIndividuen zeichnen ihn aus. Selbst der gemeinsame Sprach-stamm zeigt nur dialektologische Verschiedenheiten. Nur sporadische