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Europas Weltstellmlg.
Thierschöpfung so weit znrückstehn, daß Buffon in ihr alleinschon die Prärogative der Menschenbildung vor jeder andren er-kennen mochte.
Blickt man auf dem Erdball umher, so zeigen sich die Glie-derungen, die isolirteren Theile der Erdslächen, die Gestadestrecken,die Halbinseln, die Inseln, fast überall als die am reichsten be-gabten Erdstellen, auf denen die frühesten und größten Entwicke-lungen sich concentriren konnten. Mit der Vervielfachung undEntwickelung der Organe hebt sich überall der Adel der Orga-nismen. Man darf es Wohl wagen, in dieser Beziehung Europa am großen Bau der Alten Welt, dessen Wurzel und Hauptstammdie Mitte Asiens darstellt (Afrika ein minder entwickelter Seiten-stamm), als Krone des ganzen Gewächses zu bezeichnen. Odermit einer uoch höhern, nicht blos vegetativen Organisation ver-glichen, könnte man Europa das Angesicht des Planeten nennen,die Gesichtsseite der Alten Welt, aus dessen Auge bis jetzt dieSeele der Völker und der Menschheit am klarsten in ihrer fort-schreitenden Humanisirung hervorstrahlte.
Wir wiederholen es: nicht die absolute Größe, uicht die Masseund das Gewicht des Materiellen, sondern die Form, die geglie-derte uud höher organisirte Form errang das Uebergewicht, undtrug das ihrige zur Entscheidung des Schicksals der Völker derErde bei. Eine reiche Mitgift vollendeter Form hat die VorsehungEuropa mitgegeben. In jener Gliederung liegt noch ein anderescharakteristisches Verhältniß für Europa im Gegensatz der andernErdtheile.
Wenn in Afrika der Gestaderand keinen wesentlichen Unter-schied mit dem inneren Herzen des Erdtheilcs darbietet, also alseinheitliche Uebereinstimmung in einer allerdings sehr niedernSphäre der Entwickelung zurückbleibt, so zeigt Asien einen Zwie-spalt seines centralen und peripherischen Daseins. Das centrale,nomadische Mongolen-, Tataren- und Turanier-Land blieb auf