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Amiloge Natursormen. 215
gewesen. Es ist die erste Naturbedingung, die wahre physikalischeGrundlage der merkwürdigen Thatsache, daß auf dem beschränk-testen Erdraume sich die größte historische Mannigfaltigkeit im Men-schengeschlechte entwickeln konnte. Also nicht absolute Größe, son-dern relative giebt hier den Ausschlag, uicht die rohe Materie,die Masse, sonderu ihre Gliederung, ihre Form ist es, die auchhier, wie überall, als geistigeres Element über das materielle herr-schen sollte. Wie es in der animalen und vegetative» Schöpfungunter der großen Mannigfaltigkeit der Formen von Pflanzen undThieren einen gewissen Fortschritt der Entwickelung von niedererzu höherer Sphäre giebt, der sich schon in der Gliederung undVervielfachung der Organe anzukündigen pflegt: ebenso zeigt sichdies auch bei der sogenannten für unorganisirt gehaltenen Seiteder Erde, sobald wir sie nur iu ihrem ganzen Zusammeuhange,als das Ganze, als einen Planeten in seiner Außenseite betrach-ten. Auch in der allgemeinsten Betrachtung der Formen derVerkeilung unter die großen Erdindividuen zeigt sich eine solcheanaloge Erscheinung. Wie die geschlossenen Pflanzenformen dereinfachen, breitblätterigen, uugetheilteu Cactus- oder stämmigenEnphorbien-Arten (die den dürren Steppen oder Sandboden Ame-rikas und Afrikas fo eigenthümlich sind) als zweiglose, laubleere,minder eutwickelte Gliederung höherer Vegetation erscheinen: soauch die Länderräume, deueu sie angehören, wie die Einöden derPrärien Nordamerikas , oder selbst der ganze, meist ungegliedertgebliebene Erdtheil Afrika .
Die Zerspaltuug Asieus und volleuds Europas nähert sicheiner höhern Sphäre der Entwickelung, wie etwa das edle Palm-blatt, oder die Krone des europäischen Obstbaums, der aus allenseinen Verzweigungen m,d Extremitäten aller Art Blüthen undFrüchte hervortreibt. In der animaleu Organisation ist die Zer-spaltuug und Gliederung Europas der kunstreich gebildeten Handzu vergleichen, hinter welcher so viele andre Gliederungen der