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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Europäische Inseln.

zum Theil von einem sehr großen Flächenraum, was bei Insel-bildungen seltner der Fall ist, ihnen aber eben dadurch für ihrenErdtheil eine desto größere Bedeutung geben mußte. Sie sinddaher in der That als Erweiterungen des Continents von Europa anzusehen, nur abgesprengte Glieder, seine Seestationen zu eige-ner Berührung und zn Verbindung mit andern Ländern nndErdtheileu.

In runder Summe nehmen diese Inseln au 8000 mMeilenein, ein Zwanzigstel von Europa .

Diese insularische Erweiterung des Continents hat Europa eine ganz besondere Mannigfaltigkeit der Naturverhältnisse, undeinen großen Zuwachs seiner ethnographischen Zustände zu Wegegebracht. Man denke sich einmal Englands Inselgruppe vonEuropas Gestadewelt ausgetilgt welche Verarmung; die dänischeHalbinsel, ohne Seeland und Fünen, wäre eine bloße Sandzunge.Rom's Geschichte wäre ohne Siciliens Kornkammer eine anderegeworden. Welche Verödung, wenn man sür die alte GeschichteGriechenlands und Italiens die Gruppe der Cycladen und Creta ,die Brücken der Civilisation von Vorderasien nach Griechenland als nicht vorhanden denken müßte. Dennoch stehen diese Jnsel-bildungen mit ihren Bevölkerungen keineswegs in nothwendigerAbhängigkeit von ihren Festländern: denn viele gewannen für sichSelbständigkeit. Und doch steht ihre Beschaffenheit in einem ver-wandten Naturverhältniß mit dem jedesmaligen benachbarten Fest-lande, wie wir dies bei den britischen Inseln, bei den dänischen,italischen, griechischen auf den ersten Blick leicht erkennen. Süd-england ist eine natürliche Fortsetzung des Bodens von Nord-frankreich, der Picardie und den Niederlanden , wie dies selbstübereinstimmende secundäre Formationen, wie tertiäre, von Kreide,Jura, Salz und Kohlen führenden Schichten zeigen. Sicilienist eine natürliche Fortsetzung des platonischen Bodens von Cala-brien, und Candia ebenso von Morea.