Druckschrift 
Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

und Forderungen, aus die sich ein großer Teil der heutigenGeldliteratur beschränkt, ebenfalls nicht getan; man verlangt mitRecht eine wissenschaftliche Begründung mit der allgemeinen Wirt-schaftstheorie. Sie geschieht hier auf Grund der fortgeschrittenenEinsicht in die tauschwirtschaftlichen Zusammenhänge, wie siesich mir im Rahmen des wirtschaftstheoretischen Systems ergab,das ich in meinenGrundsätzen der Volkswirtschafts-lehre" entwickelt habe. Bei der Bearbeitung der Lehre von denPreisveränderungen zeigten sich mir viele der damit zusammen-hängenden, heute so wichtigen Fragen der Geldvermehrung ineinem ganz neuen Lichte, so daß ich beschloß, die bedeutsamenFolgerungen für unsere künftige Wirtschaftspolitik, die sich darausergeben, eingehender zu behandeln. So ist auch z. B. der Haupt-gedanke, daß es von der größten Wichtigkeit ist, um wiederin die Weltwirtschaft eintreten zu können, möglichst bald wiederzu niedrigeren Preisen zu gelangen und aus den hohen Preisender Absperrung vom Weltmarkt herauszukommen, meines Wissensnoch niemals klar erkannt und begründet worden, ebensowenig dieAuffassung, daß die hohen Inlandspreise, mögen sie nun durch dieAbsperrung oder durch Inflation hervorgerufen sein, auch einerder Hauptgründe des niedrigen Standes unserer Va-luta sind.

Diese Zusammenhänge klarzulegen ist Aufgabe der ökono-mischen Theorie, und nur eine solche Anknüpfung an die all-gemeinen Grundlagen einer Wissenschaft verstehe ich unter Theorie.Die Praktiker und alle diejenigen, die zu den wirtschaftspolitischenFragen Stellung nehmen wollen, haben die Verpflichtung, sich inerster Linie mit dieser wissenschaftlichen Begründung auseinander-zusetzen. Das ist bei der großen Oberflächlichkeit, welche die Tages-literatur oft auszeichnet, und bei der geringen Beachtung, welchesowohl im praktischen Wirtschaftsleben als auch in der öffentlichenVerwaltung den Ergebnissen der Wissenschaft oft zuteil wird,bisher leider nicht in genügendem Amfang geschehen. Daran trägtaber die Wissenschaft zu einem großen Teile selbst die Schuld.Denn viele von denen, die wissenschaftlich ernst genommen werdenwollen, lassen in ihrer Stellungnahme zu den Geldproblemen jedeVertiefung, jedes Eingehen auf die allgemeine Erklärung der tausch-wirtschaftlichen Zusammenhänge vermissen, ohne die jedoch, wieauch hier wieder gezeigt werden wird, eine wirkliche Erkenntnis der8