Druckschrift 
Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

nahmequellen zu verschaffen. Vor allem setzte in allen kriegführendenLändern eine starke Geldvermehrung ein, die wohl in den ein-zelnen Ländern in verschiedener Form erfolgte, aber doch überalldarauf hinauslief, daß die Notenbank dem Staate für die Krieg-führung neue Geldmittel zur Verfügung stellte.

Daß das Geldwesen seine frühere Stabilität verloren hatte,zeigte sich vor allem in zwei Erscheinungen. Einmal in stark steigendenPreisen (daß daneben auch viele Einkommen stark stiegen,wurde nicht genügend beachtet); und zweitens in dem Sinken derWechselkurse im Auslande, die eben auch Preise sind, da esüberhaupt eigentlich keine anderen Geldausdrücke als die Preisegibt. Beide Vorgänge regten eine Fülle von Erörterungen an.Die Preissteigerungen wurden natürlich in erster Linie, vor allemin Deutschland , auf die Warenknappheit und den Arbeiter--mangel, dann auf die Dringlichkeit des Äeeresbedarfs zurück-geführt, die sinkenden Wechselkurse im Auslande auf ein Miß-verhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr und auf sonstige Verschul-dung im Auslande. Doch machten sich schon frühzeitig Stimmenbemerkbar, welche auf die Geldvermehrung in den kriegführendenStaaten hinwiesen und von einerInflation", einerÜber-sättigung" des Verkehrs mit Zahlungsmitteln sprachen. Nichtnur das Steigen der Preise im Jnlande, sondern auch das Sinkender Valuten der kriegführenden Staaten im Auslande wurde miteiner solchen Inflation in Beziehung gebracht. And je mehr mitder Verlängerung des Krieges die Geldvermehrung stieg und jemehr die Valuta im Auslande sank, um so zahlreicher wurdendiese Stimmen. So sind die Geldprobleme heute in WissenschaftUnd Praxis wieder aufgerollt und im Mittelpunkt steht das In-flationsproblem, die Frage nach der Geldvermehrung undihren Wirkungen.

In der Wissenschaft war übrigens dieses Problem nie ganzzur Ruhe gekommen. Die Teuerung, die im letzten Jahrzehntvor dem Weltkriege eine so große Rolle spielte, wurde von vielenNationalökonomen auch in erster Linie, von manchen sogar aus-schließlich auf Ursachen von der Geldseite her, nämlich aufdie starke Steigerung der Goldproduktion seit Mitte der neun-ziger Jahre, zurückgeführt. Grundlegend war dabei die altüber-lieferte sogenannte Quantitätstheorie. Sie stellte die ganzeGeldmenge der gesamten Gütermenge in derVolkswirtschaft"54