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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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solche einfach auf der Grundlage einerDeckung" durch Kapital-oder Vermögenswerte ausgeben dürfe. Dieser Irrtum ist von de»Zeiten John Laws her, der Banknoten auf die Deckung durch Grundund Boden hin ausgab, bis in die neueste Zeit unendlich oft gemachtworden, weil man eben auch heute noch von der wirklichen Naturdes Geldes und vom Einfluß seiner Vermehrung auf die Preisekeine klare Vorstellung hatte. So hat auch im Weltkriege dasist bezeichnend für das AnVerständnis auf diesem Gebiete dieReichsregierung die Ausgabe der deutschen Darlehenskassenscheinedamit gerechtfertigt, daß ihnen dochwirkliche Werte" zugrundelägen. Diese Begründung verrät einen derartigen Mangel an Ein-sicht in den tauschwirtschaftlichen Mechanismus, daß ich es, offengestanden, durchaus begreife, wenn man allen sonstigen geldpoliti-schen Maßnahmen der Regierung immer von vornherein mit großemMißtrauen gegenübertreten würde. Es ist eben vom Standpunktder bisherigen materialistischen Auffassung und der darauf be-ruhenden metallistischen Geldlehre unmöglich, zu erkennen, daß esbei der Geldvermehrung nicht auf dieDeckung", sondern auf denEinfluß auf die Einkommen und durch sie auf die Preise ankommt.Diesebankmäßige" Auffassung des Geldes, wie ich sie genannthabe, die die Geldvermehrung vom Standpunkt des Bilanzstatuseiner Bank aus beurteilt und daher nur nach der bankmäßigenDeckung, nicht aber nach dem volkswirtschaftlichen Einfluß auf dasPreis-- und Einkommensystem sieht, ist höchst bedenklich. Leiderliegt sie unserem ganzen Geldwesen zugrunde und ist natürlichnicht von heute auf morgen zu beseitigen.

Wir wissen jetzt, daß und warum nicht auf jedes Kapital-- oderVermögensobjekt hin Zahlungsmittel ausgegeben werden dürfenoder, allgemeiner ausgedrückt, eine Geldvermehrung vorgenommenwerden darf, sondern daß diese mit der Steigerung der Erträgeund höchstens mit der Vermehrung des Kapitals, die zu einerSteigerung der Erträge führt, in Beziehung stehen muß. Wen»auch die realen Zahlungsmittel gegenüber der abstrakten Rech-nungseinheit, auf die sie lauten, nur eine verhältnismäßig gering«Rolle spielen, so dürfen sie doch nicht beliebig vermehrt werdenauf Grund derDeckung" durch irgendwelche Güter, die auch mitder abstrakten Rechnungseinheit umgesetzt werden. Daher ist es auchdurchaus verkehrt, wenn noch kürzlich von einer der maßgebendenStellen im deutschen Geldwesen behauptet wurde, die Vermehrung80